Freitag, 30. Mai 2014

Rezension: An einem Tag wie diesem von Peter Stamm

Für die Challenge im Mai haben Susi und ich jeweils im eigenen Regal ein Buch für die Andere abgezählt. Susi ist dabei auf „An einem Tag wie diesem“ von Peter Stamm gelandet. Da ihr das Buch so gut gefiel, habe ich mich eigentlich sehr darauf gefreut. Es wurde leider eine echte Challenge, dieses Buch zu beenden.

„An einem Tag wie diesem“ von Peter Stamm
208 Seiten
7,95 € (Taschenbuch)









Andreas lebt ein ziemlich eintöniges Leben. Er ist Deutschlehrer in Paris, hangelt sich von Affäre zu Affäre und hat eigentlich keine Ziele in seinem Leben. Als er eines Tages wegen Lungenproblemen zum Arzt geht und dort von einer möglichen schlimmen Diagnose erfährt, dreht Andreas durch. Er kündigt Wohnung und Job und reist in seine alte Heimat um seine einstige Jugendliebe aufzuspüren.

Die Inhaltsbeschreibung klang auch für mich am Anfang äußerst interessant. Diese „Sinn-Suche“ Romane sind  zwar nicht neu, aber doch immer wieder anders. Die Kombination mit der Suche nach einer Jugendliebe, die lange zurückliegt und doch nie Vergessen war, hätte wirklich etwas fürs Herz werden können.
Wurde es leider nicht. Der Protagonist ist unheimlich unsympathisch, gefühlskalt und seine Handlungen waren für mich über die gesamte Geschichte hinweg nicht nachvollziehbar. Ich bekam mehr und mehr das Gefühl, dass der Autor das Bild eines völlig egoistischen Menschen zeichnet, der in jeder Beziehung unfähig ist sich auf andere einzustellen. Eine Entwicklung gab es dabei leider auch nicht. Kein „Aha-Effekt“ oder langsames Annähern, das dem Leser die Möglichkeit gibt diesen Protagonisten doch noch ins Herz zu schließen. Selbst ganz am Ende saß ich nur kopfschüttelnd vor der „Auflösung“ von Andreas Reise und konnte nicht verstehen, was man mir damit sagen möchte.

Dazu kommt für mich das Problem, dass Peter Stamm und ich offenbar einfach nicht zusammen passen. Ich rede viel, quassele lange und bilde (grammatikalisch nicht immer ganz korrekte) Schlangensätze. Für mich hat Sprache mit Gefühlen und Atmosphäre zu tun. Bei Peter Stamm wirken die Sätze dagegen abgehakt und (zu) kurz. Immer, wenn so etwas wie ein Lesefluss einsetzen wollte, stellten sich mir die aufzählungsartigen, sterilen und abgehackten Sätze wieder in den Weg. Furchtbar banale Beschreibungen reihen sich aneinander und bei mir kam keinerlei Stimmung auf.

Ich weiß, dass Peter Stamm von vielen Lesern gelobt wird eben wegen diesem „präzisen“ Schreibstil. Für mich war das leider nichts. Auch mein erster Versuch mit diesem Autor „Nacht war der Tag“ scheiterte an ähnlichen Problemen.
Vielleicht verstehe ich die intellektuelle Tiefe des Buches nicht, aber für mich wirkten beide Geschichten gleich belanglos und es fehlte (für mich) an der Klarheit und Aussagekraft, die ein Buch (für mich) wertvoll macht.

Leider meine bisherige Enttäuschung des Jahres. 1 von 5 ganz subjektiven Leseratten für ein Buch, das leider bis zum Ende keine Richtung und Aussage findet und mich daher nicht berühren konnte.


Das Buch in einem Tweet:
"Ein Buch für sachliche Leser, nichts für Romantiker. Ich habe "An einem Tag wie diesem" nicht viel abgewinnen können."

Donnerstag, 29. Mai 2014

Ausprobiert: Ratgeber "Wie uns Aufräumen & Entrümpeln glücklich macht"

Vor einiger Zeit bekam ich eine sehr nette Mail von Madame Missou, einer Autorin, die eine ganze Menge kurzer „45-Minuten-Ratgeber“ veröffentlicht hat. Ich dürfe gern einen der Ratgeber ausprobieren. Ich lese zwar sonst kaum Ratgeber, die Idee fand ich aber irgendwie witzig. Aus dem bunten Sortiment habe ich mir „Wie uns Aufräumen & Entrümpeln glücklich macht“ ausgesucht. Ich wohne zwar nicht gerade in Messipotanien, habe aber natürlich die ein  oder andere chaotische Ecke. Da ich Entrümpeln ungemein befreiend finde und mir hilfreiche Aufräumtipps erhofft habe, wollte ich diesen Ratgeber gern testen.

Das Buch beginnt mit einem gut strukturierten und klaren Inhaltsverzeichnis. Es geht um Argumente und besondere Anlässe fürs Entrümpeln, anschließend wird jeder Raum der Wohnung einzeln behandelt. Im Wohnzimmer wollte ich starten und Stück für Stück die genannten Tipps umsetzen, so mein Plan für den Ratgeber-Tag.

Die einleitenden Argumente für das Entrümpeln waren in meinem Fall nicht nötig. Dieser Abschnitt soll wohl Überzeugungsarbeit für besondere Sammler und Horter liefern. Ich bin vom System „nicht alles ewig aufzubewahren“ schon sehr überzeugt. Trotzdem lasen sich diese Kapitel flott und bieten den ein oder anderen interessanten Ansatz.
Nach allgemeinen Gründen für das Entrümpeln wurden auch besondere Situationen umschrieben, in denen es notwendig sein kann, sich von Altlast zu trennen. Die Trennung von einem Partner und der Verlust eines geliebten Menschen waren hier zwei Beispiele, in denen grob das Vorgehen skizziert wurde. Beide Varianten waren klar strukturiert, boten für mich aber keine neuen Informationen.

Dann ging es zu den einzelnen Räumen. Und ich habe schnell festgestellt: ich bin ein Quell der Ordnung ;-). Viele der beschriebenen Ordnungsvarianten setzen wir in unserer Wohnung schon genau so um und die alltäglichen „Aufräumroutinen“ sollten eigentlich jedem klar sein (Geschirr in die Spülmaschine, Wäsche in den Wäschekorb etc.). Dieser Abschnitt hat mich darum leider etwas enttäuscht. Ich hatte mir einige Profi-Tipps erhofft, zum Beispiel eine praktikable Alternative für den „Papierhaufen“ auf dem Schreibtisch. Dass ab und zu abgeheftet werden sollte ist klar, wie "zwischendrin" dauerhaft Ordnung gehalten werden kann, hätte mir weitergeholfen bei meiner Achillesferse ;-D.
Auch die Methode liebgewonnene Erinnerungsstücke in kleinen Kisten aufzubewahren, um nicht alles lose herumliegen zu haben, nutze ich schon jetzt sehr gern. Meine Aufräumrunde fiel daher deutlich kürzer als erhofft aus. Spaß hat es mir trotzdem gemacht.

Für Aufräummuffel oder junge Leute, die Strukturen für ihre erste eigene Wohnung lernen wollen, ist dieses Buch genau richtig: kurzweilig, motivierend und voll durchgehend einfacher und leicht umzusetzender Tipps.
Wer diese grundlegenden Themen aber verinnerlicht hat, ist hier falsch. Dann sollte man sich vielleicht lieber mit einem der weiterführenden Büchlein gezielte Tipps für seine Schwachstellen suchen.

Zur Website von Madame Missou: http://www.madamemissou.de/

Mittwoch, 28. Mai 2014

Ein Blick in die Verlagsvorschau von... Klett-Cotta / Tropen

Klett-Cotta steht für mich für eine besondere Qualität der verlegten Bücher. Es werden tolle Autoren und ungewöhnliche Themen präsentiert, die mir jedes Mal das Herz aufgehen lassen. Eine Reihe meiner liebsten Bücher ist in diesem Verlag erschienen und ich stöbere immer wieder gern durch das Programm von Klett-Cotta.

Heute stelle ich euch meine drei absoluten Favoriten aus der Vorschau von Klett-Cotta und dem Tropen Verlag vor.

"Die Bienen" von Laline Paull
Erscheint am 23.08.2014

Ihr Name ist Flora. Ihre Nummer 717. Sie ist ziemlich groß. Ihr Pelz ist struppig. Andere finden sie hässlich. Doch sie ist klug und mutig. Und sie kann sprechen! Flora 717 ist eine Biene. Laline Paull erzählt das ergreifende Abenteuer dieser außergewöhnlichen Biene in einer anderen und doch zutiefst vertrauten Welt.

Als ich für diesen Beitrag die Verlagsvorschau des Tropen Verlags durchging und auf "Die Bienen" stieß, war ich spontan verliebt. Irgendwie klingt diese Geschichte nach einer modernen Fabel und einem Abenteuermärchen, nach besonderer Belletristik und einem tollen, sommerlichen Buch. 
Als ich das Buch dann noch, nach einem super netten Kontakt mit dem Klett Cotta Verlag, in meinem Briefkasten fand, war das Glück perfekt! Ich freue mich schon auf schöne Lesestunden auf meinem Balkon, in der Nähe meines "Hummelbuffets" mit einem emsigen Summen im Ohr.


"Der Fall" von Gert Heidenreich
Erscheint am 23.09.2014

Der pensionierte Kriminalkommissar Alexander Swoboda will die Steilküste der Normandie malen. Da stürzt vor ihm ein Mensch von den 40 Meter hohen Klippen. Als Expolizist müsste er zu dem Toten gehen. Als Maler wendet er sich ab. Doch dann wird er selbst erschossen. Seine Pflicht endet damit nicht. Bloß – wie soll er aus dem Jenseits einen Mord aufklären?

Normale Krimis und Thriller reizen mich im Moment nur wenig. Umso gespannter bin ich auf ausgefallene Vertreter dieses Genres und "Der Fall" klingt für mich besonders vielversprechend.


"Unterm Lagerfeuer" von Nickolas Butler
Erscheint am 22.11.2014

Mal herzerweichend, mal urkomisch zeichnet Nickolas Butler in seinen Stories ein Bild von den Menschen des Mittleren Westens. Dort, wo die Amerikaner nicht amerikanischer sein könnten, passieren Geschichten, deren Abgründigkeit und Skurrilität jeden Leser fesseln werden.

Die Rezension zu Nickolas Butlers erstem Buch "Shotgun Lovesongs" war mein erster Beitrag für diesen Blog. Es war einfach ein Buch von dem ich unbedingt jedem erzählen musste. Jetzt freue ich mich auf das zweite Buch dieses tollen Autors und hoffe wieder auf interessante Charaktere und facettenreiche Geschichten.

Sonntag, 25. Mai 2014

Rezension: Die Märchentante, der Sultan, mein Harem und ich von Helge Timmerberg

Reiseliteratur und Erlebnisberichte sind Susis Revier. Ich habe darin jetzt zur Abwechslung gewildert. Sorry dafür, aber diese Geschichte hat mich gereizt und allein den Titel des Buches fand ich unglaublich spannend.

„Die Märchentante, der Sultan, mein Harem und ich“ von Helge Timmerberg
256 Seiten
19,99 € (Hardcover)








Elsa Sophia von Kamphoevener ist als Märchenbaronin bekannt. In den 1930er Jahren trat sie im Rundfunk mit ihren Märchen aus Tausendundeiner Nacht auf und erzählte sie während des zweiten Weltkrieges in Lazaretten, um leidenden Soldaten Abwechslung zu verschaffen. Helge Timmerberg ist fasziniert von der Biografie dieser besonderen Frau, die (als Mann verkleidet) jahrelang durch den Orient gereist sein soll, um Geschichten zu sammeln. Aus diesem Stoff möchte Helge Timmerberg ein Drehbuch machen, einen Hollywoodfilm mit orientalischem Zauber möchte er drehen. Der Weg zu diesem Drehbuch ist dann aber ziemlich unwegsam.

Wie man anstehende Arbeiten erfolgreich vor sich her schieben kann, kennen wir alle wohl nur zu gut. Helge Timmerbergs Reisen durch die Türkei, Marokko und schließlich Amerika erzählen neben der Geschichte über Elsa Sophia von Kamphoevener ein Märchen über genau dieses Phänomen. Es gibt Geschichten darüber, wie er sich mit der Einrichtung seines marokkanischen Hauses ablenkt oder mit den Frauen in seinem „Harem“. Oder darüber, wie er sich auf orientalischen Märkten Geschichten erzählen lässt und Träume kauft. Zwischendurch ist er von Liebeskummer geplagt und sucht Gesellschaft in diversen Kneipen. Kurz: Helge Timmerberg ist vom Leben so eingespannt, dass das Projekt „Drehbuch“ immer wieder in den Hintergrund tritt.
Ganz aufgeben möchte er es dann trotzdem nie. Als Leser bekommt man dadurch immer wieder schöne Einblicke in das geplante Drehbuch. Teile aus dem Leben der Märchenbaronin werden erzählt und einige wichtige Szenen so detailliert dargestellt, dass man sie schier vor sich sieht. Diesen Film würde ich mir sofort anschauen!
Alle Erzählungen sind wunderschön geschrieben und verbreiten orientalisches Flair. Das ist umso erstaunlicher, als dass dieser märchenhafte Eindruck auch bei den Berichten über Helge Timmerbergs Irrwege immer erhalten bleibt. Nebenbei ist die lockere und trotzdem philosophische Sprache ein echter Genuss. Ich bin aus dem „Textstellen markieren“ gar nicht mehr herausgekommen.
Den letzten Funken der Mischung macht schlussendlich aber der tolle Humor von Helge Timmerberg aus. Die Situationen sind so skurril und witzig beschrieben, dass das Lesen einfach Spaß macht. Mich hat die Geschichte dadurch von Anfang an mitgerissen und ich konnte das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen.
Als ich das Buch zur Seite gelegt habe hatte ich einerseits das Gefühl selbst gerade eine aufregende Reise erlebt zu haben und andererseits unbändige Lust die Orte, die Helge Timmerberg beschreibt, selbst zu bereisen und dieses Flair einmal selbst zu erleben.
Kurz und gut: 5 von 5 Leseratten für dieses wunderbare Buch, dass vom echten Leben und Tausendundeiner Nacht in einem Atemzug erzählt.

Ein Blick in die Verlagsvorschau von... Heyne Verlag

Dieser Post kommt jetzt wirklich überraschend. Für mich und vielleicht auch für euch. Keine Sorge, Helge Timmerberg kommt später auch noch. Aber als ich heute morgen in Ruhe meinen Kaffee getrunken und dabei durch die Verlagsvorschau des Heyne Verlags geblättert habe, war ich kurz paralysiert: es gibt einen neuen King!
Und obwohl viele die Programme der großen Verlge selbst durchschauen, muss ich heute einfach kurz meine Vorfreude teilen. Mit diesen drei Titeln könnte der Heyne Verlag mich aus meiner Thriller-Flaute reißen:



"Mr Mercedes" von Stephen King
Erscheint am 08.09.2014

Ein Mercedes SL 500 – »zwei Tonnen deutsche Ingenieurskunst« – rast in eine Menschenmenge. Es gibt viele Todesopfer, der Fahrer entkommt. Der Wagen wird später gefunden. Auf dem Beifahrersitz liegt eine Clownsmaske, das Lenkrad ziert ein grinsender Smiley. Monate später meldet sich der Massenmörder und droht ein Inferno mit Tausenden Opfern an. Stephen King, der Meister des Schreckens, verschafft uns in Mr. Mercedes beunruhigende Einblicke in den Geist eines besessenen Mörders bar jeglichen Gewissens.

Meine Leidenschaft für die Bücher von Mr. King ist ja nun längst kein Geheimnis mehr. Da ich auch viele Favoriten unter den neueren Büchern des King habe, freue ich mich unbändig auf jede Neuerscheinung. Wie gut, dass er so fleißig ist und mein Leserherz so regelmäßig höher schlagen lässt. Das muss ich lesen!


"Schattenjunge" von Carl-Johan Vallgren
Erscheint am 01.09.2014

In den überfüllten Gängen der Stockholmer U-Bahn versucht ein Vater, mit seinen Kindern den Zug zu erreichen. Sie sind spät dran, der Jüngste im Kinderwagen brüllt, sein siebenjähriger Bruder weigert sich, mit dem Fahrstuhl zu fahren. Er quengelt so lange, bis eine fremde Frau anbietet, ihn die Treppe mit hinaufzunehmen. Widerstrebend willigt der Vater ein. Er sieht seinen Sohn nie wieder. Viele Jahre später verschwindet auch der Bruder des Jungen unter mysteriösen Umständen. Danny Katz wird von der Frau des Verschwundenen auf den Fall angesetzt. Und er ist nicht allein. Je tiefer er in die Machenschaften eines mächtigen Familienimperiums eintaucht, umso komplexer wird der Fall.

Heyne Hardcore ist eine Serie besonders starker Thriller und Horror Titel, dieser Titel des Programms hat mich spontan interessiert. Es könnte ein actionreicher, harter Thriller werden, der mitreißen kann.


"Kolibri" von Kati Hiekkapelto
Erscheint am 15.09.2014

Kaum hat Anna Fekete ihre erste Stelle als Kriminalkommissarin angetreten, landet auch schon ein Mordfall auf ihrem Tisch: eine junge Frau, die beim Joggen im Wald auf grauenvolle Weise getötet wurde. Anna nimmt die Ermittlungen auf. Ihr zur Seite gestellt ist Esko Niemi, ein alter Haudegen, der seine junge Kollegin torpediert, wo er kann. Bis ein zweiter Mord geschieht und Esko klar wird, dass sie den Killer nur gemeinsam finden werden. Doch Anna ist bereits auf eigene Faust unterwegs.

Dieses Buch wird vor allem Lesern von Camilla Läckberg empfohlen, da mich diese Autorin im letzten Jahr spontan begeistern konnte, hoffe ich hier auf einen Thriller mit ähnlicher inhaltlicher Tiefe und Spannung.

Samstag, 24. Mai 2014

Bild&Wort: Tausendundeine Nacht

Morgen möchte ich euch ein ganz besonderes Buch präsentieren. Ein Buch, das mich Couchkartoffel in Reisestimmung und Fernweh gebadet hat. Um euch schon heute darauf einzustimmen teile ich mit euch meine zwei liebsten Zitate aus diesem Buch!
Und weil das Buch quasi selbst ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht erzählt, wird darin auch viel über Märchen und Geschichten gesprochen.



"Ein Satz, der nicht wie eine Pille wirkt, ist kein guter Satz, und ein Märchen, das dich nicht wie eine Droge an sich reißt, ist keine gute Geschichte"
- "Die Märchentante, der Sultan, mein Harem und ich" von Helge Timmerberg (Pos. 25 Kindle Edition)


"Ein gutes Märchen ist voller Leben, und ein gutes Leben ist voller Märchen" 
- "Die Märchentante, der Sultan, mein Harem und ich" von Helge Timmerberg (Pos. 1867 Kindle Edition)

Freitag, 23. Mai 2014

Rezension: Ich koch dich tot von Ellen Berg

Ich habe angekündigt, dass ich mich in diesem Jahr auch mal öfter an neuen Genres probieren möchte. Mein Versuch im Bereich Fantasy war nicht sonderlich erfolgreich, bessere Tipps von euch habe ich schon auf meiner Liste und werde dort noch einen nächsten Versuch wagen.
Heute möchte ich euch von einem eigentlich klassischen „Frauenroman“ erzählen. In diese Richtung lese ich verdammt selten, weil mich die Themen häufig einfach nicht ansprechen. Auf dieses Buch bin ich aber auf der Leipziger Buchmesse aufmerksam geworden, der morbide Humor ist schon eher meins als rosa Kitschwölckchen und Shoppingtrips! Und es ist mal wieder ein Buch, das meine Mama und mich sofort gleichermaßen interessiert hat.

„Ich koch ich tot“ von Ellen Berg
Aufbau Taschenbuch Verlag
315 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)








Vivi ist zwar erst Anfang 30, der Ehe mit ihrem Mann Werner ist aber schon deutlich die Luft ausgegangen. Als Werner beim Abendessen plötzlich vornüber ins Gulasch kippt, ändert sich für Vivi alles. Werners Ableben war zwar eigentlich ein Unfall, doch Vivi merkt dass eine gesunde Portion Rattengift so manches Problem lösen kann. Sie baut sich ein neues Leben ohne Werner auf und überwindet dabei auch so manches männliche Hindernis.

„Ich koch dich tot“ ist ein Buch das Spaß macht. Die Szene direkt zu Beginn des Buches ist super gewählt und irgendwie geht die Geschichte damit so skurril und spritzig los, dass man gleich mitten in der Geschichte steckt.
Vivi ist als Charakter sehr sympathisch, obwohl ich irgendwie irritiert war, als sie so jung und hübsch beschrieben wurde. Die Ehe mit ihrem Werner wurde so grau und eintönig dargestellt, dass ich es mir eher für ein deutlich älteres Paar vorstellen konnte. Auch das Cover hatte bei mir den Eindruck vermittelt, es würde durch den Tod des Gatten der „zweite Frühling“ einer nicht mehr ganz jungen Frau eingeläutet. Ich weiß nicht warum, aber für mich hätte das auch deutlich besser zur Handlung gepasst, als das Setting mit der jungen und attraktiven Vivi. Trotzdem hat die Geschichte am Ende Spaß gemacht  und spricht durch die Charaktere vielleicht sogar noch mehr Leser an, als es die Geschichte „Ü60“ getan hätte.

Eigentlich hat mir der Humor des Buches gut gefallen, es steckt viel Situationskomik und morbide Scherze darin, abgerundet durch die tolle Kombination seltsamer Charaktere. Leider kamen mir dazwischen einige der „spannenden“ Szenen etwas holperig in der eigentlich lustig-lockeren Handlung vor.

Eine Bewertung von „Ich koch dich tot“ fällt mir wirklich schwer, klar hat es neben den literarischen Perlen in meinem Regal seine Schwächen in Sachen Handlung oder Logik. Trotzdem hat mir das Buch Spaß gemacht und mich gut unterhalten, obwohl ich mit Büchern dieses Genres sehr kritisch bin. Mit Büchern seines Genres möchte ich es auch vergleichen. Perfekt ist es aber auch in seinem Genre nicht, da man aus der Handlung einfach noch mehr hätte machen können und z.T. falsche Erwartungen geweckt wurden.
Unterm Strich komme ich (nach langem hin und her) trotzdem auf 4 von 5 Leseratten. Das überrascht mich selbst ein bisschen, freut mich aber umso mehr. Ich habe einfach Spaß daran auch immer wieder neue Genres zu probieren und mich nicht von alten Abneigungen bremsen zu lassen. So kann es ab und an klappen, wieder positive Exemplare der sonst nicht mehr beachteten Genres zu entdecken.

Mittwoch, 21. Mai 2014

Ein Blick in die Verlagsvorschau von... Berlin Verlag

Verlagsvorschauen sind wieder so eine Sache, mit der wir uns vor dem Bloggen nicht beschäftigt haben. Es reichen ja wohl die vielfältigen Verlockungen in Buchläden, in Buch-Communities, auf Amazon oder der Spiegel-Bestsellerliste... Mittlerweile schauen wir uns die Vorschauen unserer Lieblingsverlage aber sehr gern an und nutzen sie auch, um uns spannende Bücher für die nächsten Wochen oder sogar Monate herauszusuchen oder Beiträge für den Blog zu planen.

Heute stelle ich euch meine drei absoluten Favoriten aus dem Sommerprogramm des Berlin Verlags vor. Das ist bei diesem Verlag besonders schwer, da ich eigentlich die kompletten Neuerscheinungen so unglaublich spannend und abwechslungsreich finde, dass ich mich kaum entscheiden konnte. [Anm: ungelogen, die Auswahl dieses Beitrags habe ich 4 mal hin und her getauscht]

Diese drei Vertreter zeigen gut die Vielfalt des Verlags und machen Lust auf mehr.


"Die Stille Frau" von A.S.A. Harrison
Erschienen am 12.05.2014

In Jodis und Todds Ehe kriselt es. Viel steht auf dem Spiel, auch das angenehme Leben, das sich die beiden aufgebaut haben in ihrem luxuriösen Apartment mit Seeblick in Chicago. Doch ihre Beziehung rast geradewegs auf einen mörderischen Abgrund zu: Er, der systematische Betrüger und sie, die stillschweigende Verletzte. Die schwindelerregend fesselnde Geschichte einer verhängnisvollen Partnerschaft, die in den USA zu einem großen Überraschungserfolg wurde.

Ich bin ein bisschen spät dran, denn eine richtige "Vorschau" ist dieses Buch nicht mehr. Aber ich wollte es unbedint vorstellen, denn es klingt unheimlich spannend und intelligent. Gerade der Vergleich zu "Gone Girl" macht mich neugierig. Die Struktur der Geschichte gefiel mir gut, die Ausführung hatte aber noch einige Schwächen. Die Beschreibung zu "Die Stille Frau" klingt, als könnte diese Geschichte ganz anders ansetzen. Das verspricht Spannung.


"Sommer in Maine" von J. Courtney Sullivan
Erscheint am 28.07.2014

Ein romantisches Ferienhäuschen an der Küste Neuenglands, vier Frauen, die zusammen den Sommer verbringen: eigentlich paradiesisch, aber zwischen Grandma Alice, Tochter Kathleen, Enkelin Maggie und Schwiegertochter Ann Marie knirscht es gewaltig, denn eine jede bringt die Geister ihrer Vergangenheit mit. Während Alice alles dafür geben würde, eine einzige tragische Nacht in ihrem Leben ungeschehen zu machen, haben auch Maggie, Kathleen und die scheinbar so perfekte Ann Marie Angst, dass ihre gut gehüteten Geheimnisse ans Licht kommen könnten. Doch in diesen paar Wochen werden die Karten auf den Tisch gelegt…und es wird ein wunderschöner Sommer.

Susi hat vor Kurzem "Die Verlobungen" von J. Courtney Sullivan vorgestellt und war restlos begeistert. Ich habe dieses Buch aber nicht nur deswegen aus der Vorschau gepickt. Es scheint endlich mal eine Sommerlektüre zu sein, die Flair verbreitet und dabei trotzdem nicht zu seicht ist. Danach habe ich schon länger gesucht.


"Die Ewigen" von Martin Caparrós
Erscheint am 10.06.2014

uan Domingo Remondo, genannt Nito, erblickt genau an jenem Tag das Licht der Welt, an dem sich ganz Argentinien nur für eines interessiert: den Tod seines Namensvetters Juan Domingo Perón. Ein bloßer Zufall? Als Nito herausfindet, dass sein verschwunden geglaubter Vater bei einem Autounfall starb, sinnt er auf Rache. Er schreibt dem verantwortlichen Fahrer einen anonymen Brief – und erläutert ihm darin, wann und auf welche Weise er ums Leben kommen wird. Ein einzigartiges Talent zeigt sich: Nito kann vom Sterben erzählen wie kein Zweiter. Seine Fähigkeit bleibt nicht lange unentdeckt. Ein ehrgeiziger Pastor will sie sich zunutze machen, um abtrünnige Gemeindemitglieder Todesangst und Gottesfurcht zu lehren. Ein alternder Performance-Künstler indes verfolgt ein ganz anderes Ziel: Er möchte die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen Lebenden und von der Bildfläche verschwundenen Toten aufheben.

Philosophisch, spannend, unterhaltsam. "Die Ewigen" klingt nach einer ganz besonderen Geschichte und verspricht einiges zu bieten. Vielleicht keine leichte Lektüre, aber ein Buch das mich defnitiv schon vorab beschäftigt und neugierig macht.

Ich schaff' es einfach nicht... Ich wollte mich auf drei Bücher beschränken, muss euch aber noch ein kleines Schmankerl zeigen:


"Mutters letzte Worte" von Esther Gerritsen
Erschienen am 12.05.2014 


Als Elisabeth ihre Tochter auf der Straße trifft, teilt sie es ihr unverblümt mit. Sie stirbt. Nur wenige Wochen, vielleicht Monate wird sie noch zu leben haben. Coco, die ihre Mutter lange nicht gesehen hat, beschließt in einem Reflex, zu ihr zu ziehen und für sie da zu sein. Eine unmögliche Konstellation, die zwei Menschen, die sich fern sind, abrupt zusammenführt und einem fatalen Wechselspiel von Nähe und Zurückweisung aussetzt.
Esther Gerritsen hat einen Mutter-Tochter-Roman geschrieben, der radikal von dem lebensnotwendigen Bedürfnis nach Nähe erzählt, von den extremen Kräften, die eine extreme Situation hervorbringt.
Ich konnte mir nicht viel unter diesem Buch vorstellen und habe den Fehler gemacht in die Leseprobe herein zu schauen. Ein Fehler, seitdem geistert mir diese Geschichte durch den Kopf. Die Situation klingt so hart und gnadenlos, dass ich ein wirklich bedrückendes Buch erwartet hatte. Die Leseprobe lässt aber auch schon einen Hauch Humor und zwei sehr sympathische Charaktere erkennen. Mal etwas ganz anderes.

Montag, 19. Mai 2014

Montagsfrage #21 von Libromanie


Nachdem wir in der letzten Woche ausgesetzt und einfach unsere eigene "Mittwochsfrage" gepostet haben, freuen wir uns umso mehr auf die neue Montagsfrage von Libromanie.

"Hand auf’s Herz: Habt ihr euren SuB seit Anfang des Jahres abbauen können oder ist er gestiegen?"

Susis Antwort:
Dank Alex kenn ich einen SuB überhaupt erst seit letzten September. Seitdem ist er natürlich stetig gestiegen. Dank Alex, dem Blog, der Buchmesse, der Chalenge, Vorablesen ... Leider vermehrt sich meine Zeit nicht proportional zu meinen Bücherkäufen. Wer mal auf meinem Sub vorbeischaut, sieht aber, dass ich Besserung geschworen habe! Kein Buch soll mehr länger als ein Jahr darauf unglünklich vernachlässigt liegen. Deswegen werd ich das Einzugsdatum vermerken. In einem Jahr dürft ihr mich dann auslachen, wenn ich plötzlich zwanzig Bücher parallel lesen werde. Könnte aber auch interessant sein ^^."

Alex' Antwort:
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, deswegen zeige ich euch meinen Buch-O-Graph


Ich habe von meinem heutigen SuB ausgehend rückwärts gerechnet und wäre auf einen Anfangsstand von 60 Büchern zu Beginn des Jahres gekommen. So viele waren es nicht, nur leider kann ich die geliehenen (Bibliothek und Freunde) einfach nicht mehr nachvollziehen und seit März/April ist auch noch Skoobe mit dabei. Mathematisch eine Gleichung mit zu vielen Variablen ...
Unterm Strich würde ich trotzdem sagen, dass der SuB bisher eine negative Tendenz hat. Zumindest kann ich es mir noch schönrechnen ;-).

Sonntag, 18. Mai 2014

Rezension: Glückliche Ehe von Rafael Yglesias

„In guten, wie in schweren Tagen“ füreinander einzustehen, auch das bedeutet Ehe. So schön, wie die guten strahlenden Tage sind, so schlimm können auch die schweren Tage sein. Doch sie gemeinsam durchzustehen gibt Kraft. Zum Abschluss unserer Ehe-Woche also nochmal ein zwar sehr trauriges, aber auch sehr kraftvolles und romantisches Buch, bei aller Härte.

„Glückliche Ehe“ von Rafael Yglesias
426 Seiten
22,95 € (Hardcover)
ISBN 978-3-608-93707-7









Margaret und Enrique sind seit knapp dreißig Jahren verheiratet, als Margaret den Kampf gegen den Krebs verliert, an dem sie vor zwei Jahren erkrankte. In wechselnden Kapiteln erzählt das Buch die Geschichte vom Beginn und dem Ende einer Ehe.
Die Geschichten vom Anfang der Ehe berichten vom ersten Treffen, über die ersten Dates und das Auf und Ab der jungen Beziehung. Die Kapitel des Endes der Ehe erzählen eine Geschichte von einem schweren Abschied nach einem Leben, dass man Großteils gemeinsam verbracht hat, von Aufopferung und Liebe am Ende einer glücklichen Ehe.

„Selbst im Sterben, tröstete er sich, gab sie ihm etwas Kostbares: die Zeit, sich anständig voneinander zu verabschieden.“ (S. 73)

Diese Wechsel haben mich beim Lesen sehr mitgenommen. Der Beginn der Ehe so romantisch und zart, dass ich kaum damit aufhören konnte zu Lesen, steht im harten Kontrast zu den Kapiteln über das Ende der Ehe. Margarets Krankheit hat mich mitten ins Herz getroffen und obwohl ich manchmal Pausen einlegen musste, weil ich nicht lesen wollte wie es ihr Seite für Seite immer schlechter geht, steckt auch in diesen Kapiteln eine Menge Trost und Kraft. Wie Enrique seinem eigenen Schmerz zum Trotz liebevoll für seine Frau sorgt, war auf seine Art wunderschön.

„Vielleicht hatten sie ja nicht begriffen, dass sie für ihn schon lange an erster Stelle gestanden hatte, dass sie die Heimat seines Herzens und der Anker seines Denkens war und dass der Kampf darum, sie am Leben zu erhalten, unerlässlich für die Erhaltung seiner eigenen Seele war.“ (S. 138)

Cover und Titel von „Glückliche Ehe“ wirken locker, leicht und sprechen von Glück und Zufriedenheit. Doch auch in einem an sich glücklichen Leben gibt es natürlich Schatten und manchmal auch Leid. So gibt es auch in der Geschichte von „Glückliche Ehe“ Probleme und Streits. Margaret und Enrique waren in einiger Hinsicht ein perfektes Paar und dennoch gab es auch eine Menge Reibungspunkte in ihrem Leben. Diese waren für mich beim Lesen nicht immer leicht hinzunehmen, doch im Verlauf der Handlung wird einem immer deutlicher bewusst, dass der Titel „Glückliche Ehe“ dennoch sehr ehrlich ist. Das Überwinden von Problemen macht eine Beziehung doch um einiges stärker.

„In den neunundzwanzig Jahren seit seinem ersten desaströsen Geschenk war so viel passiert. Waren so viele Illusionen zerplatzt. Hatten sie beide sich als so stark erwiesen. Sie hatte die grausamsten Dinge zu ihm gesagt, die man ihm nur hätte sagen können, und er war zu ihr mehr als einmal noch grausamer gewesen. Sie hatten sich Liebe geschworen, hatten Hass ausgehalten. Als Kinder hatten sie Kinder hervorgebracht, von denen jetzt eins schon ein Mann war und das andere nur zu schnell einer wurde.“ (S. 192)

Glückliche Ehe hat mich ursprünglich wegen seines Titels angezogen. Ich hatte mir eine perfekte Geschichte über eine perfekte Beziehung gewünscht, gewürzt vielleicht mit einem Hauch Melancholie. Bekommen habe ich viel mehr: ich weine so gut wie nie, bei „Glückliche Ehe“ konnte ich es nicht verhindern, die Geschichte hat mich zu sehr mitgenommen. Ich habe geweint vor Glück bei den Liebeserklärungen im Buch und geweint vor Trauer um Margaret.
Zusätzlich hat mich der wunderschöne Schreibstil ständig dazu gebracht, einzelne Passagen mehrmals lesen zu wollen und mich in der Sprache des Buches zu verlieren.

Diese erzählerischen und sprachlichen Qualitäten, zusammen mit einer für jede Beziehung wertvollen Botschaft machen für mich die Bedeutung dieses Buches aus. Ich vergebe 5 von 5 Leseratten für „Glückliche Ehe“.

„Dabei hatte er die meiste Zeit seines Lebens damit verbracht, an die Zukunft zu denken: Die Vergangenheit hatte er immer hinter sich lassen, die Gegenwart möglichst schnell besser gestalten wollen.“ (S. 143)

Samstag, 17. Mai 2014

Geschenktipp: "Lob der Ehe" von Rafik Schami

Ich habe in diesem Jahr das Glück die Hochzeit von zwei tollen Paaren zu erleben. Auch nächstes Jahr steht schon eine Feier fest. Ich liebe Hochzeiten, es ist toll mit Freunden diesen besonderen Tag erleben zu dürfen und gemeinsam zu feiern. Und trotzdem stellt sich jedesmal bang die Frage „was nur schenken?“. Ich bin kein Fan von Salatbesteck oder Saucieren, basteln kann ich auch nicht. Heute möchte ich euch deswegen ein Buch vorstellen, dass ein wunderbares Geschenk an glückliche Paare sein kann. Eigentlich wollte ich es nur selbst lesen, weil mich die Thematik so anspricht. Als ich es las war klar: es kann auch ein wertvolles Geschenk sein an Menschen, die man liebt und von dem sie lange etwas haben können.

„Lob der Ehe – Ein weltliterarisches Treuebuch“ herausgegeben von Rafik Schami
503 Seiten
22,95 € (Hardcover im wunderschönen Leineneinband)








Bücher über unglückliche und unerfüllte Liebe gibt es zu Hauf. Ganze Bibliotheken voll davon und Lagerhallen mit seichter Literatur oder Filmen über eine abgewiesene Liebe könnte man füllen. Was laut Rafik Schami fehlte ist eine Sammlung an Geschichten über lange und glückliche Beziehungen. Daher hat er sie gesammelt, um ein Loblied auf die Liebe (und Ehe) zu halten. Denn für ihn ist das „dauerhafte Zusammenleben zweier Menschen – mit anderen Worten, das größte und beständigste Wunder der Menschheitsgeschichte“ (S. 462) Diesem Wunder wird mit „Lob der Ehe“ ausgiebig Tribut gezollt.
Die Vielfalt der enthaltenen Geschichten ist unglaublich, es gibt moderne und ältere, klassische Erzählungen. Westliche, asiatische und orientalische Geschichten. Ich habe mir bekannte Autoren entdeckt und auch einige, von denen ich bisher noch nichts gelesen habe. Einige bringen zum Schmunzeln, andere zum Grübeln, manchmal war ich etwas ratlos. Auf jeden Fall kann dieses Büchlein den eigenen Horizont erweitern und es macht Spaß darin zu lesen. Man kann lose darin hin und her springen und nur einzelne Geschichten lesen, jeden Abend einen kleinen Happen genießen oder alles am Stück verschlingen (wobei ich die Geschichten dafür zu verschieden finde und jede erstmal sacken lassen wollte).
Ein besonderes Highlight war für mich die Geschichte „Ein Vierteljahrhundert später“ von Ian McEwan. Er ist einer meiner Lieblingsautoren, aber auch ungeachtet dessen ist ihm eine kleine, leise aber sehr berührende Geschichte geglückt. Eine Erzählung über die alltägliche und trotzdem besondere Liebe eines lange verheirateten Paares. Die Beschreibungen über die Nähe dieses Paares haben mich schon beim Lesen glücklich gemacht. Ich bin ein echter „Heirats-Fan“ und hoffe, dass unsere Ehe auch noch in einem Vierteljahrhundert so sein wird. Ehe hat für mich auch nichts mit einer pompösen Party oder einem schicken Fest zu tun, sondern genau die in dieser Geschichte geschilderte Liebe und Geborgenheit macht es für mich aus eine gute Beziehung zu führen.
„Trotzdem“ von Lena Bach war eine weitere, besonders tolle Geschichte. Mit einem schelmischen Augenzwinkern wird einem dort vor Augen gehalten, wie viele Gründe es gegen die Ehe gibt… und wie hoffnungslos glücklich sie uns dann unter Umständen trotzdem machen kann. So weit, dass man dem Partner in die Hölle gerne folgen wird, denn „Ich laß ihn doch nicht allein.“ (S. 56).
Auch der Einstieg in diese Sammlung ist perfekt gewählt: in „Nach dem Sündenfall“ von Mark Twain zählt Eva ihre Gründe auf, warum sie Adam liebt. Die Argumentation hat mich zum Lachen gebracht, denn Adam scheint weder besonders stark oder mutig noch sonderlich schön zu sein. Evas Schlussfolgerung hat mich nach allem Humor dann sehr gerührt und macht auch diese Geschichte für mich zu etwas ganz Besonderem „Ja, ich glaube, ich liebe ihn nur, weil er mein und weil er ein Mann ist.“ (S. 7)
Das sind nur drei Beispiele, eine ganze Menge mehr ist in diesem Buch versteckt und verdient es entdeckt zu werden. „Lob der Ehe“ ist vielleicht kein Buch, dass man einfach mal so durchliest, aber es ist ideal geeignet als Geschenk an ein frisch verheiratetes Paar oder als Geschenk an sich selbst, wenn man bald heiraten (oder sich darüber klar werden) möchte.

Freitag, 16. Mai 2014

Rezension: Wer ja sagt, darf auch Tante Inge ausladen von Thomas Sünder

Ich steh auf Sachbücher und Ratgeber und darauf sie zu kaufen, wenn irgendwas Neues auf mich zukommt. Und so war neben Freuen und Träumen mein - ungelogen - zweiter Schritt, nachdem entschieden wurde zu heiraten, mir Ratgeber im Internet zu bestellen. Damit es auch was zu Lachen gibt, entschied ich mich auch für den folgenden:

"Wer ja sagt, darf auch Tante Inge ausladen" von Thomas Sünder blanvalet Verlag

270 Seiten

8,99 € (Paperback)







Thomas Sünder ist seit vielen Jahren Hochzeits-DJ und hat einfach schon zu viele Katastrophen am angeblich schönsten Tag im Leben erlebt und hat es sich deswegen zur Aufgabe gemacht, Brautpaare nicht nur hinsichtlich der Musik, sondern umfassend zu beraten. Dieses geballte Wissen und all seine Tipps hat er in diesem Buch zusammengefasst.

Ich habe das Buch in nur zwei Tagen gelesen, weil es kurzweilig und interessant ist und voller authentischer Geschichten und sehr übersichtlich gestaltet. Als ich es weglegte, dachte ich "Nett" und glaubte nicht, dass es mir viel gebracht hatte. Aber anschließend ertappte ich mich ständig dabei aus dem Buch zu zitieren oder darauf Bezug zu nehmen. Später las ich einige Dinge auch noch einmal nach, sodass es mir insgesamt viel mehr geholfen hat, als mein anderer Checklisten-Ratgeber, der schrecklich spießig und altbacken daher kam.

"Wer ja sagt, darf auch Tante Inge ausladen" ist ein absolutes Muss für entspanntes und individuelles Planen, den es ruft vor allem dazu auf, sich von allen Zwängen zu befreien und hilft einem dabei, dass die Hochzeit vielleicht doch der schönste Tag im Leben werden könnte. Und dabei kann man noch Lachen und andere mit den Geschichten zum Lachen bringen.

Ich weiß allerdings nicht, ob es ein Buch für einfach mal so ist. Wer Anekdoten oder Hochzeiten mag, kann es vielleicht auch lesen, ohne dass die eigene Feier vor der Tür steht. Von mir kriegt es ganz subjektive vier von fünf Leseratten.


Donnerstag, 15. Mai 2014

Rezension: Das Rosie-Projekt von Graeme Simsion

Einen passenden Partner fürs Leben (und Heiraten)  zu finden, ist keine leichte Angelegenheit und für manchen Menschen regelrecht Arbeit. Ein Buch, dass sich mit der (zugegeben) recht ungewöhnlichen, Suche nach dem perfekten Ehepartner beschäftigt ist „Das Rosie Projekt“ von Graeme Simsion.

„Das Rosie-Projekt“ von Graeme Simsion
Fischer Krüger Verlag
352 Seiten
18,99 € (Hardcover)









Don Tillmann möchte endlich heiraten. Das ist an sich vielleicht nichts ungewöhnliches, aber Don findet schon normale zwischenmenschliche Interaktionen äußerst anstrengend. Don ist zwar Professor für Genetik, in Beziehungsfragen ist er dafür eher hilflos und unwissend. Um endlich „das Ehefrauen-Problem“ zu lösen, entwickelt Don einen Fragebogen, mit dessen Hilfe er die perfekte Frau finden möchte. Auf seiner Suche begegnet Don einigen Fehlschlägen. Dann trifft er Rosie, auch sie ist eigentlich genau das Gegenteil von dem, was Don sucht. Doch sie ist auf der Suche nach ihrem biologischen Vater und Don immerhin Experte in Sachen Genetik, also macht er sich mit ihr gemeinsam auf die Suche und startet „Das Rosie-Projekt“.

Eigentlich bin ich kein Freund von „romantischen Komödien“. Irgendwie kommen mir diese Geschichten häufig so vor, als wäre ein Grundgerüst für tausend Bücher angepasst worden, ohne es wirklich zu verändern. „Das Rosie-Projekt“ sticht hier (für mich) positiv aus der Masse heraus. Zwar weißt die Geschichte auch ganz klassische Merkmale der romantischen Komödie auf und richtig „neu“ ist sie nicht, aber die Details waren witzig und „anders“ genug, um mein Interesse aufrecht zu erhalten.

Da ist zuerst einmal Don, der nerdige Professor und Hauptcharakter des Buches. Die Eigenarten und Macken dieses Charakters sind wirklich toll dargestellt und setzen sich auch in seinen Dialogen wunderbar fort. (Für alle, die die Serie „The Big Bang Theory“ kennen, wird sich der Vergleich zu Sheldon Cooper geradezu aufdrängen.)
Auch der gesamte Schreibstil ist Dons wissenschaftlicher Genauigkeit und besonderen Lebensweise angepasst, alles wirkt ein bisschen gestelzt und ist gleichzeitig deutlich überzeichnet dargestellt.
Rosies Charakter bringt in diese nerdige Grundsituation dann einen ganz eigenen, frischen Wind. Sie ist alles, was Don verabscheut: sie ist Raucherin und Chaotin, schert sich nicht um Klischees und trinkt gern mehr, als die „empfohlene Tagesdosis“ Alkohol.

Die Kombination zweier so unterschiedlicher Figuren ist natürlich nichts völlig Neues, gibt diesem Buch aber einen ganz besonderen Charme. Dons Entwicklung ist nett dargestellt und ich habe mehr als einmal lachen müssen, über die für ihn so ungewohnten Neuerungen, die sein sonst so geordnetes Leben durcheinanderwerfen.
Ein bisschen habe ich befürchtet, dass das Buch dann gegen Ende wieder zu sehr zum Standard abdriftet und die Charaktere nur genug verbogen und verdreht werden müssen, damit alles gut wird. Ich möchte nicht zu viel verraten, kann aber sagen, dass hier ein schöner, anderer Weg gewählt wurde, um die Geschichte aufzulösen.

Das Buch ist nicht perfekt, hat mir aber so viel Spaß gemacht, dass ich es an einem Stück weggelesen habe und auch gern noch mehr von dieser Geschichte mitbekommen hätte. Ich vergebe sehr gute 4 von 5 Leseratten für die beste romantische Komödie, die ich seit langem gelesen habe.

Mittwoch, 14. Mai 2014

Mittwochsfrage zur Ehe-Woche


Ein wichtiger Bestandteil der Woche im Read Pack ist diesmal durch die Ankündigung der Ehe-Woche entfallen: die Montagsfrage von Libromanie. Da uns die Beantwortung der Fragen immer sehr viel Spaß macht und einfach zu uns und dem Read Pack gehören, wollten wir natürlich auch eine passende Frage in unserer Spezialwoche dabei haben, deswegen dieses mal ausnahmsweise die "Mittwochsfrage von uns".

Wir haben uns gegenseitig gefragt:

"Auf die Hochzeitsfeier welchen literarischen Liebespaares wärst du gerne eingeladen?"

Susis Antwort: Ich habe länger über diese Frage nachgedacht und bin im Geiste all die Bücher mit Liebespaaren in meinem Bücherregal durchgegangen. Ein schöner Zeitvertreib. Am Ende ist meine Antwort etwas langweilig: Ron und Hermine. Nicht weil ihre Liebesgeschichte etwas besonderes ist, sondern weil ich mit ihnen sieben Bücher lang gefiebert habe und Ron so oft innerlich verhauen habe. Und weil es doch nichts magischeres geben kann als eine magische Hochzeit, oder?

Alex' Antwort: Uff, das ist ganz schön schwierig. Eigentlich bin ich begeistert von guten Liebesgeschichten, Liebesromane und Romanzen lese ich allerdings sehr selten. "Gute Liebesgeschichten" findet man meiner Meinung nach aber auch in anderen Genres und so kommt mein Lieblingspaar eher aus dem Fantasybereich: Eddie Dean und Odetta Holmes (bzw. Susannah Dean) aus dem Dunklen Turm von Stephen King. Die Liebesgeschichte dieser beiden tragischen Gestalten hat mich über die gesamte Reihe hinweg fasziniert und ich war gerührt davon, wie Eddie seine Frau (nicht nur sprichwörtlich) auf Händen trägt, aber auch sie eine Menge für ihn einsteckt. Er zuerst ein Junkie und ziemlicher Egoist, sie recht verbittert wächst dieses Paar erst gemeinsam über sich hinaus.
Ich glaube eine Hochzeit im klassischen Sinne hatten die Beiden im Buch nicht, aber wenn es eine gegeben hätte, wäre ich gern anwesend gewesen und hätte die Liebe so eines besonderen Paares miterlebt und mit einem guten Schluck Alkohol darauf angestoßen...
Mit meiner Antwort bin ich jetzt vermutlich komplett in die "Nerd"-Ecke abgerutscht, aber ich kenne nunmal kein anderes literarisches Paar, dessen Liebe mich mehr mitgenommen hat. Eine Zweite, ähnlich große Liebesgeschichte habe ich vor Kurzem gelesen und werde euch das Buch am Sonntag vorstellen... aber die Party bei Eddie und Odetta wäre vermutlich interessanter gewesen ;-)

Dienstag, 13. Mai 2014

Rezension: Die Verlobungen von J. Courtney Sullivan

"Die Verlobungen" wurde zu einer Zeit bei vorablesen vorgestellt, als ich meinen ersten Durchhänger in den Hochzeitsplanungen hatte. Die ganzen Solls und Wäre-Schöns und überschwenglichen Gefühle verlangten nach einem Gegenpol - einem Buch, von dem ich zunächst dachte, dass es ein Manifest gegen die eine wahre Liebe sein könnte.

"Die Verlobungen" von J. Courtney Sullivan Deuticke Verlag

592 Seiten

21,90 € (Gebundene Ausgabe)

Die Leseprobe von vorablesen findet ihr hier.







"Die Verlobungen" verbindet zu verschiedenen Zeiträumen die Geschichte von fünf Menschen: 1947 - Frances denkt sich mitten in der Nacht den Slogan aus, der später weltberühmt werden sollte "Diamonds are forever". 1972 - Evelyn bereitet sich auf den Besuch ihres Sohnes vor, der seine Frau wegen einer anderen verlassen hat. Noch hofft sie auf eine Wendung der Ereignisse. 1987 -  James denkt kurz vor Weihnachten darüber nach, wie schwer das Leben und das Lieben ist, wenn nie ausreichend Geld da ist. 2003 - Delphine verwüstet aus Rache die Wohnung ihres Verlobten, der sie betrogen hat. 2012 - Kate bereitet sich auf die Hochzeit ihres schwulen Cousins Jeff vor und das obwohl sie gegen das Heiraten ist.

Natürlich sind alle Geschichten miteinander verbunden und es wird schnell klar wodurch. Doch das ist nicht das Entscheidende. Das Entscheidende und Wunderbare an "Die Verlobungen" ist die Verknüpfungen von detailliert recherchierten Fakten, denn Frances, die Werbeagentur, für die sie arbeitet und ihr Kunde, der Diamantenhändler De Beers, sie hat es alle gegeben, mit den vielschichtigen Geschichten der anderen Figuren, denen J. Courtney Sullivan dank ihrer guten Recherche über die jeweiligen Jahrzehnte ebenfalls beeindruckend Leben einhaucht. Schon die Geschichte um Frances und die Etablierung des diamantenen Eherings in der amerikanischen Gesellschaft wäre genug spannender Lesestoff gewesen, doch die Autorin webt darum noch die verschiedenen Liebes- und Lebensgeschichten der durchweg sympathischen Charaktere beeindruckend um ihre Kernbotschaft: Ein Diamant ist für immer, er übersteht alle Widrigkeiten des Lebens. Aber die Liebe - sie ist noch fester, tiefer, älter; der Diamant kann sie würdig repräsentieren, aber nicht übertrumpfen.

"Es geht um Massenpsychologie, denn unser Ziel ist es, den diamantenen Verlobungsring zu einer psychologischen Notwendigkeit zu machen. Zielgruppe: etwa siebzig Millionen Menschen im Alter von fünfzehn aufwärts, deren Weltsicht wir in unserem Sinne beeinflussen wollen." (S. 14)

"Nicht jeder Mann gründet eine Stadt, gibt einem Stern einen Namen oder teilt ein Atom. Nur wenige bauen sich selbst ein Denkmal, vor dem spätere Generationen staunend stehen und ausrufen: "Das war unser Vorvater. Dort steht sein Name. Und dies alles war sein Lebenswerk." Doch in einem Diamanten kann sich jeder Mann auf ganz eigene Art verewigen." (S. 22)

"Evelyn trug den Ring schon so viele Jahre, und die Linie weicher, weißer Haut, die darunter lag, ließ es aussehen, als habe der Ring Alter, Trockenheit, Sonne und Falten wie ein Schild von ihr abgehalten." (S. 50)

Das Buch ist spannend, interessant, leicht, fesselnd, bewegend, lehrreich und nicht nur was für Frauen. Ich möchte eigentlich nur noch sagen: Lesen! Gefangen nehmen lassen! Eintauchen! Erleben! "Die Verlobungen" ist mein erstes Highlight in 2014. Es ist schon wieder etwas her, dass ich es gelesen habe - am liebsten würde ich es gleich wiederholen. Deswegen - fünf von fünf Leseratten.


Montag, 12. Mai 2014

Bild&Wort: Herzlich Willkommen zur "Ehe-Woche"

Im Rattenbau läuten die Hochzeitsglocken!

Im Juli wird Susi ihre (euch bisher als Mitbewohner bekannte) Jugendliebe heiraten, ich habe meinem Mann vor zwei Jahren das "Ja-Wort" gegeben. Um unsere Freude am Heiraten und "Verheiratet sein" gebührend mit euch zu feiern, wollen wir ab heute in eine "Ehe-Woche" starten: jeden Tag werden wir Bücher rund um Hochzeit und Ehe vorstellen und euch so ein bisschen an unserer Begeisterung teilhaben lassen.

Einstimmen möchten wir euch mit einem Bild&Wort. Mit einem Bild von meinem Brautstrauß (samt Eheringen) und unseren beiden Hochzeitssprüchen.

"Wenn man begriffen hat, dass man den Rest des Lebens zusammen verbringen will,
dann will man, dass der Rest des Lebens so schnell wie möglich beginnt."
- aus "Harry und Sally"


"Wahre Liebe geht aus der Harmonie der Gedanken und dem Gegensatz der Charaktere hervor."
- Théodore Simon Jouffroy

Sonntag, 11. Mai 2014

Rezension: Ein schädlicher Einfluss von Kate Bornstein


Beim Bloggertreffen von lovelybooks und Bastei Lübbe auf der Leipziger Buchmesse dieses Jahr gab es einige Geschenke mit nach Hause zu nehmen. Eins davon ist - zumindest für mich - ein ganz besonderes Juwel.


"Ein schädlicher Einfluss" von Kate Bordstein, Eden Books

14,95 € (Broschiert)

352 Seiten







Schon die ersten anderthalb Seiten waren ein reines Feuerwerk. Es war so unglaublich, dass ich meinen Mitbewohner zu mir rief und sie ihm vorlas. Im Schnelldurchlauf: Kate ist ein schlechter Mensch, denn sie ist eine transsexuelle, jüdische, tätowierte Lesbe und Sadomasochistin, die an Borderline und Magersucht leidet, die ihre Tochter seit Jahrzehnten nicht mehr und ihre Enkel noch nie gesehen hat, denn als Scientologen ist es ihnen nicht gestattet mit einer aus der Organisation Ausgetretenen zu sprechen. Nicht zu glauben? Und dennoch wahr, denn dieses Buch ist keine überdrehte Fiktion, es ist eine Biografie.

Kate nimmt uns mit auf ihre rasante Lebensreise. Sie wollte schon immer ein Mädchen sein - wichtig keine Frau, denn das sind zwei unterschiedliche Geschlechter, wohl wahr. Aber eigentlich fühlt sie sich heute weder als Mann noch als Frau, als ob sie nicht schon genügend Minderheiten angehören würde.

Auf ihrer Suche nach sich selbst und einer Lösung für den Drang ein Mädchen zu sein landet sie bei Scientology und bleibt zwölf Jahre. Sie ist ziemlich erfolgreich und steigt zur Elite um den Gründer von Scientology L. Ron Hubbard auf, sie trifft ihre erste Frau, heiratet und hat eine Tochter - alles noch als Mann. Bis eines Tages ein, nennen wir es Missverständnis, zu ihrem Austritt führt. Und den Beginn eines neuen Lebens darstellt.

Kate verfolgt jetzt wieder ihr Ziel ein Mädchen zu werden - Scientology hatte ihr beigebracht, dass sie geschlechtslos ist und ihr damit einen Ausweg geboten. Doch jetzt wollte sie sich ausleben und erfahren, was es bedeutet, sie zu sein.

Es folgen Jahre voller Experimente, Leugnungen, Neuerfahrungen und schließlich der Umwandlung. Es ist unglaublich ihrer Geschichte zuzuhören und dabei so unfassbar schön, denn sie erzählt es alles mit einem solch inneren Frieden, dass man das Glück, das sie durch diese Selbstverwirklichung erfahren hat, spüren kann.

"Ein schädlicher Einfluss" ist nicht für jeden etwas - ich möchte jeden zartbeseiteten Menschen sehr vor diesem Buch warnen. Es ist schonungslos und ehrlich. Aber es entführt einen in Welten, zu denen man niemals, wenn man nicht selbst Betroffener ist, Zutritt erlangen könnte. Solche Bücher liebe ich am aller meisten, denn das macht Bücher so wertvoll für mich - Welten zu betreten, die mir im wahren Leben verborgen sind.

Dabei ist die Geschichte von Kate jedoch nicht nur ein Bericht eines einzelnen Lebens - es ist ein Manifest, ein Schlachtruf für Individualität und Selbstentfaltung. Tu, was immer dich glücklich macht, auch wenn es keiner versteht, nicht einmal du selbst vielleicht. Gehe neue Wege, die undenkbar sind, wenn du denkst, das sie für dich richtig sind. Wieso nur Teil einer Minderheit sein? Wieso nicht eine eigene Minderheit sein, eine neue schaffen? Warum Klischees erfüllen, warum nicht einfach du sein?

Ich danke Kate für dieses wunderbare Buch - nicht nur weil sie Transsexuellen oder Lesben oder Feministinnen oder so vielen anderen Menschen einen Weg geebnet hat, sondern weil sie den Mut hatte so etwas wunderschönes niederzuschreiben, das jedem Menschen zuruft: Sei du selbst.

Freitag, 9. Mai 2014

Rezension: Nachts kommt die Angst von Gabriela Gwisdek

Mein Challengebuch für den April war ein voller Erfolg. Ein Buch mit einer Protagonistin zu finden, die meinen Namen trägt, war (wie für viele andere) nicht ganz einfach. Trotzdem habe ich schnell einen Favoriten gefunden und das Buch hat mir am Ende richtig viel Spaß gemacht. So habe ich ganz zufällig einen tollen Thriller entdeckt.

„Nachts kommt die Angst“ von Gabriela Gwisdek
Aufbau Taschenbuch Verlag
318 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)









Die Malerin Alexandra zieht vom turbulenten Frankfurt in ein beschauliches Dorf in der Uckermark. Nach einer gescheiterten Beziehung und einer langen Phase beruflichen Misserfolgs möchte sie sich in der Abgeschiedenheit endlich wieder sich selbst und dem Malen widmen. Schnell merkt Alexandra, dass in diesem Dorf trotz aller Abgeschiedenheit nicht nur Ruhe und Frieden herrschen. Die Vormieterinnen ihres kleinen Häuschens verschwanden spurlos und auch während Alexandras Aufenthalt verschwinden dann noch einige Mädchen aus dem Dorf.

Ich muss mal vorab sagen, dass ich mir kein besseres Buch für dieses Experiment aussuchen hätte können. Es ist so schon sehr leicht sich der gruseligen und schaurigen Atmosphäre des Buches hinzugeben, wenn man sich dann aber noch so in die Hauptfigur hineinversetzt wird es richtig spannend. Ich habe das Buch vor allem abends gelesen und hatte so genau die richtige Stimmung. Große Teile des Buches beschäftigen sich mit der subtilen Angst der Protagonistin, die sich bedroht fühlt in ihrem Häuschen, aber keine konkrete Gefahr ausmachen kann. Jedes Knarren im Haus und jedes Rascheln im Garten versetzen die Protagonistin in Aufregung und diese Ruhelosigkeit hat sich sehr schnell auf mich übertragen. Die Gefahr bleibt dabei zwar immer gegenwärtig aber auch eigentümlich konturlos, eine interessante Mischung und wunderbar um die Spannung zu halten.
Die Handlung wiederum war eine schöne Mischung aus Krimi/Thriller und Horror-Roman. Da es immer wieder Hinweise darauf gibt, dass Alexandras Haus ein Spukhaus sein soll, es jedoch auch ganz reale Verbrechen in diesem Dorf zu verzeichnen gibt, habe ich beim Lesen immer ein bisschen hin und her geschwankt, wie sich das am Ende unter einen Hut bringen lässt. Ohne zu viel zu verraten: die Handlung ist bis zum Ende spannend und wird schlüssig aufgelöst. Sowas ist mir bei einem Buch in diesem Genre besonders wichtig, es gibt nichts schlimmeres als unschlüssig konstruierte Enden. Bei "Nachts kommt die Angst" fügt sich das Ende aber super zum Rest des Buches ein und rundet die Geschichte wunderbar ab.
Die einzige Schwäche des Buches war (für mich) die etwas willkürlich gesetzte Liebesbeziehung zwischen Alexandra und dem „Dorfsheriff“ des Ortes. Irgendwie schien diese Beziehung für die Handlung nötig und wurde daher sehr schnell „gegründet“, richtig nachvollziehbar war die Beziehung und die Handlung der Personen für mich in dieser Hinsicht nicht.
Trotzdem ist „Nachts kommt die Angst“ ein Buch, dass von der ersten bis zur letzten Seite Spannung bietet, basierend auf einer dichten Atmosphäre, irgendwo zwischen Krimi und Horror, also genau mein Fall.
Insgesamt vergebe ich 4 von 5 Leseratten.
 

Donnerstag, 8. Mai 2014

Rezension: Die Wahrheit über Ivy von Kathy Stinson

Es gibt Rezensionen, die mir wirklich schwer fallen. Weil es zu viel oder zu wenig über ein Buch zu sagen gibt zum Beispiel. Manchmal aber, wie bei „Die Wahrheit über Ivy“, liegt es auch am Thema des Buches, dass mir wahrhaftig die Sprache verschlägt.

„Die Wahrheit über Ivy“ von Kathy Stinson
192 Seiten
7,99 € (Taschenbuch)







Alles in Davids Familie dreht sich um Ivy. Seine kleine Schwester ist an „infantiler Zerebralparese“ erkrankt. Dieser frühkindliche Hirnschaden hat bei Ivy zur Folge, dass das Mädchen kaum sprechen kann und motorisch stark eingeschränkt ist. Das Leben mit Ivy bringt viele Tiefs aber auch immer wieder Freude für David mit sich. Ein Leben ohne Ivy ist für den Jungen trotz aller Schwierigkeiten kaum vorstellbar. Eines Tages passiert dann das Tragische: als sein Vater mit Ivy in einem See badet, erleidet Ivy einen Krampfanfall und stirbt.

Das Buch ist aus Davids Sicht erzählt und die Autorin hat für mich damit genau die richtige Perspektive gewählt, denn Davids Erlebnisse wirken schlicht und ergreifend authentisch. Das Thema ist schwierig und die aufgeworfenen Fragestellungen und Überlegungen sind zum Teil hart. Ein belehrender oder moralisierender Erzähler hätte da (für mich) die falsche Botschaft transportiert. So aber wirkte das ganze Buch ehrlich und berührend.
Ich kann mir die Situation, die Davids Familie erlebt, kaum vorstellen. Es ist einfach unheimlich schwierig sich in derartige Lebensumstände herein zu versetzen. Der Autorin ist es in diesem Buch dennoch sehr gut gelungen, dass man eine Beziehung zu allen Figuren aufbauen kann und dadurch anfängt eine Ahnung davon zu bekommen, wie sich Menschen in einer solchen Situation fühlen: zwischen Liebe und Angst, Überforderung und Hingabe. Trotz aller Liebe zu seiner Schwester kommen nämlich bei David auch immer wieder Frustration und Wut über die Situation der Familie auf.
Neben der berührenden Handlung zu Beginn des Buches bringt die Situation rund um Ivys Tod dann eine ganze Menge harter Fragestellungen und Überlegungen mit sich, die mich bis jetzt sehr beschäftigen. Das Buch endet für mich in dieser Hinsicht dann auch zu abrupt. Das soll vermutlich so sein und dem Leser die Möglichkeit geben, für sich gedanklich die möglichen Alternativen durchzuspielen. Ich fühlte mich irgendwie grausam aus der Geschichte gerissen und mir fehlte die Möglichkeit, mit dieser Handlung abzuschließen.

Insgesamt vergebe ich 4 von 5 Leseratten für ein tolles Jugendbuch, das mich sehr beschäftigt und berührt hat, aber durch die sympathischen Figuren auch gut unterhalten hat. Ein weniger abruptes Ende hätte das Ganze noch etwas besser abrunden können.


P.S. Ich habe bewusst versucht Formulierungen wie „Ivy leidet unter“ oder „das Problem der Familie“ zu vermeiden. Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Art von Formulierungen (genau wie zum Beispiel „an den Rollstuhl gefesselt“) einfach ein falsches Bild transportieren. Trotzdem finde ich es schwierig für die beschriebene Situation im Buch die richtigen Worte zu finden. Ich hoffe es ist mir annähernd gelungen.

Dienstag, 6. Mai 2014

Rezension: Das Mädchen mit dem Haifischherz von Jenni Fagan

„Das Mädchen mit dem Haifischherz“ von Jenni Fagan hat mich auf der Verlagsseite des Antje Kunstmann Verlags sofort angesprungen: dieser Titel ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe mich permanent gefragt, was sich dahinter verbirgt und musste das Buch einfach lesen. Nachdem wir es jetzt zum Welttag des Buches auch noch verlost haben, möchte ich euch endlich meinen Eindruck zu dieser Geschichte schildern.

„Das Mädchen mit dem Haifischherz“ von Jenni Fagan
320 Seiten
19,95 € (Hardcover)

Anais Hendricks ist fünfzehn, als ihr vorgeworfen wird eine Polizistin derart verprügelt zu haben, dass diese nun im Koma liegt. Für Anais beginnt dadurch eine wohlbekannte Prozedur: das Mädchen wird von der Polizei in das Gewahrsam eines neuen Heims gegeben. Im Panoptikum soll sie unter Kontrolle gebracht werden, bis ihr der Prozess gemacht wird. Anais ist ein Waisenkind und kennt die verschiedensten Stellen der staatlichen Fürsorge zur Genüge. Sie kennt Drogen und Gewalt. Eine Familie und Geborgenheit hat sie dagegen noch nicht kennen gelernt. Erst im Panoptikum mit seinen seltsamen Bewohnern findet Anais das erste Mal so etwas wie eine Familie.

Ich muss vorab sagen, dass ich mit völlig falschen Erwartungen an dieses Buch herangegangen bin. Eine etwas düstere Geschichte, abgründiges und harte Passagen hatte ich zwar vermutet, habe das Ganze jedoch als eine Art düsteres Jugendbuch gesehen. Ein Jugendbuch ist „Das Mädchen mit dem Haifischherz“ aber nun nicht wirklich. Die Sprache ist vulgär und ziemlich hart, manchmal brutal. Die Figuren stehen eigentlich durchgehend unter Drogen, alle sind ganz unten in der Gesellschaft angekommen und positive Entwicklungen schimmern nur ganz schwach durch eine ganze Menge Unrat.
Es hat eine Weile gedauert, bis ich mit Anais wirklich warm geworden bin. Fast ein Drittel des Buches hat mich die Hauptfigur und erzählende Stimme dieses Buches eher verschreckt. Anais hegt seltsame Thesen, laut denen sie Teil eines obszönen „Experiments“ ist. Vom Experiment fühlt sich Anais beobachtet und verfolgt. Erst spät bin ich dieser seltsamen Hauptfigur näher gekommen. Man merkt im Verlauf der Geschichte, dass in Anais auch ein weicher Kern steckt, ein eigentlich nur einsames Mädchen.
Für mich war es schließlich auch diese Thematik, die „Das Mädchen mit dem Haifischherz“ so besonders macht. Die Dramatik eines Lebens, das völlig ohne Wurzeln und Identität eigentlich von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, hat mich sehr beschäftigt. Anais und die anderen Bewohner des Panoptikums sind Opfer einer Gesellschaft, in der sie keinen Platz finden. Man erwartet Schlechtes von ihnen und behandelt sie auch so. Keines der Kinder hat wirklich eine Chance, sich aus dieser Rolle zu befreien. Ich glaube für dieses Thema musste die Autorin einfach auf die harte Sprache und krassen Beschreibungen zurückgreifen.
„Das Mädchen mit dem Haifischherz“ ist kein im klassischen Sinne spannendes Buch, auch kein Buch mit einer schön vorbereiteten „Moral“ oder Botschaft. Es ist aber ein Buch, das einen so schnell nicht mehr loslässt. Es ist weniger die Handlung, als die Figuren, die einen verfolgen.

Ich kann „Das Mädchen mit dem Haifischherz“ nicht bewerten. Ganz einfach weil es für fast alle „Noten“ gute Begründungen gäbe: ich könnte aus vollem Herzen 5 Ratten vergeben, weil mich die erstaunliche Entwicklung, die Anais im Buch macht, beeindruckt hat.
Ich könnte aus vollem Herzen 4 Ratten vergeben, weil mir die Stimmung des Buches zwar gefallen hat, das Ganze aber doch stellenweise zu hart war für mich war.
Ich könnte 3 Ratten vergeben, weil die Handlung zum Teil unstrukturiert und chaotisch wie Anais Gedanken wirkt und man sich als Leser darin verlieren kann....

Ich glaube alle, die Spaß an ungewöhnlichen Büchern haben und sich nicht an einer harten Sprache und Thematik stören, sollten sich einfach selbst ein Bild machen.

Montag, 5. Mai 2014

Montagsfrage # 20 von Libromanie


Ich habe Urlaub und die Montagsfrage von Libromanie passt ideal zu mir, also antworte ich heute allein. Ich bin nämlich ein absoluter Buch-Junkie und habe immer Bücher auf meiner Wunschliste. Also beantworte ich gern die Frage:

"Welche 5 Bücher stehen ganz oben auf deiner Wunschliste?"

Ganz oben auf meiner Wunschliste steht im Moment "Die amerikanische Nacht" von Marisha Pessl. Ich habe mich in die Aufmachung des Buches und die Geschichte spontan verliebt.

Ashley ist tot – gerade mal vierundzwanzig - eine Leiche in einer verlassenen Lagerhalle Manhattans. Ein Unfall? Oder Selbstmord? Und was hat Cordova – der übermächtige Vater und besessene Filmemacher mit ihrem Tod zu tun? Der Schlüssel zum Geheimnis liegt in seinen magischen Filmen, die nach und nach zu einer Wirklichkeit werden, aus der es kein Entkommen gibt.
Ein Meisterwerk – souverän, tödlich, perfekt.


Gleich danach kommt "Das dunkle Kind" von Margaret Forster. Ich gebe zu, dass ich hier erstmal schlicht und ergreifend vom Titel angelockt wurde (mein Kopf hatte sofort die spannendsten Ideen was sich dahinter verstecken könnte) die Geschichte klingt dann auch passend dazu sehr spannend.

Warum wird ein Kind schuldig? Margaret Forster erzählt in ihrem neuen Roman von der dunklen, rätselhaften Seite der Kinderseele. Die achtjährige Julia darf Brautjungfer sein auf der Hochzeit ihrer schönen Cousine Iris. Eine lästige und teure Familienverpflichtung in den Augen ihrer Mutter, aber Julia ist überglücklich. Nicht lange danach fällt jedoch ein Schatten auf ihr noch junges Leben: Als ihr das Baby der Cousine während einer Spazierfahrt mit dem Kinderwagen umkippt und es danach aus unerklärlichen Gründen stirbt, fühlt sie sich unendlich schuldig. Jahrzehnte später arbeitet Julia als Kinderpsychologin. Ihre jungen Klienten sind verhaltensauffällig: Sie stehlen, lügen, brennen durch oder wollen nicht essen und tragen alle ein dunkles Geheimnis in sich. Julia versucht, ihnen zu helfen, und wird dabei mit ihren eigenen verdrängten Schuldgefühlen konfrontiert.


Die Nummer drei auf meiner Wunschliste ist dann weniger düster, sondern eher berührend. "Hannahs Traum" von Diane Hammond klingt nach einer Geschichte mit viel Liebe.

»Samson Browns Liebe galt genau zwei Dingen auf dieser Welt: seiner Frau und seiner Elefantendame.« Seit einundvierzig Jahren kümmert sich der schwarze Pfleger im kalifornischen Biedelman-Zoo um »seine« Hannah. Er ist alt geworden und müsste längst in den Ruhestand gehen. Doch wer wird sich dann um die Elefantin kümmern? Wer wird ihr Donuts zum Frühstück bringen und sich abends im Stall mit ihr alte Spielfilme ansehen, damit sie nicht so allein ist? Als die quirlige Neva auftaucht, eine Expertin im Umgang mit Dickhäutern, schöpft Samson neue Hoffnung und erzählt ihr von seinem wiederkehrenden Traum: Hannah unter ihresgleichen in einer großen Herde, mit Gras statt Beton unter den Füßen. Doch ausgerechnet jetzt soll Hannah zur wichtigsten Attraktion des Zoos werden.


Die Nummer vier ist vielleicht ein bisschen geschummelt, denn "Das Jahr der Flut" von Margaret Atwood führt die Geschichte um die Welt von "Oryx und Crake" weiter, betrachtet aber andere Figuren und kann auch separat gelesen werden. Und da ich es unbedingt (!) lesen muss, kann ich es nicht außen vor lassen.

Es ist das Jahr der Flut, der »wasserlosen Flut«. Eine tödliche Pandemie ist über die Menschheit hereingebrochen, nur einige wenige konnten sich retten: Hoch über den Dächern der Stadt leben sie, die Gottesgärtner, bei denen die robuste Toby und die zarte Prostituierte Ren Zuflucht gefunden haben. In ihrem biologisch bepflanzten Garten Eden kämpfen sie ums Überleben in einer Welt, die unter der Herrschaft verantwortungsloser und machtgieriger Großkonzerne zugrunde gegangen ist. In Das Jahr der Flut entwirft Atwood aufs Neue eine Zukunft, deren Realität weniger fern liegt, als wir uns womöglich eingestehen möchten. Dieser Erzählerin folgt man mit größtem Vergnügen, wohin sie will, auch bis ans Ende unserer Welt.


Die Nummer fünf auf meiner Wunschliste ist eine moderne Fabel, von der ich schon viel gehört habe und die witzig aber auch philosophisch klingt: "Das Huhn das vom Fliegen träumte" von Sun-Mi Hwang. Das ist genau mein Ding.

Gelangweilt von ihrem monotonen Dasein, bricht die Legehenne Sprosse eines Tages aus ihrem Gehege aus. Doch das Leben in Freiheit ist viel härter und unbarmherziger, als sie es sich vorgestellt hat. Bis sie in einem verlassenen Nest ein Ei findet und neue Hoffnung schöpft: Die Freiheit birgt nämlich auch das größte Glück.




Sonntag, 4. Mai 2014

Rezension: Wo bist du Motek? von Ilan Goren

"Wo bist du Motek?" hatte ich auf vorablesen verpasst. Zu meinem Glück fand ich schnell eine Tauschpartnerin und mein erstes ertauschtes Buch zog bei mir zu Hause ein. 

"Wo bist du Motek?" von Ilan Goren Graf Verlag

248 Seiten

16,99 € (Broschiert)

Die Leseprobe von vorablesen findet ihr hier.






Ilan Goren ist ein Israeli mit deutscher Vergangenheit: Seine Urgroßeltern sind in den dreißiger Jahren nach Israel ausgewandert und seine Mutter hielt das deutsche Erbe vor allem mit der Liebe zu Ritter Sport und Kinderreimen hoch. Nach dem Tod seiner Mutter wollte Ilan Goren seinen deutschen Wurzeln nachspüren und wird Korrespondent für einen israelischen Fernsehsender in Berlin. Dort hilft ihm bei seiner Suche eine Kiste mit persönlichen Papieren seiner Großmutter, die auch Dokumente seiner Urgroßeltern enthält.

Ich habe "Wo bist du Motek?" in einer Zugfahrt von Berlin nach Frankfurt am Stück gelesen und blieb etwas ratlos zurück. Auch jetzt, einige Zeit später, bin ich immer noch ratlos. Der Autor beschreibt interessant und zuweilen lustig seine Familiengeschichte und seine Zeit in Berlin. Aber das war es auch schon. Bei diesem Buch muss ich an die Worte von Ijoma Mangold, Ressortleiter Literatur von Die Zeit, von der Buchmesse denken, die in etwa lauteten: "Jeder Mensch hat eine Geschichte - aber nicht jede enthält etwas allgemein gültiges, was eine Verlegung rechtfertigt." So geht es mir mit diesem Buch. Es ist wie eine nette Anekdote, die man hört, aber dann verhallt sie. Mir konnte "Wo bist du Motek?" leider nicht mehr geben.