Sonntag, 31. August 2014

Buchpreis 2014: Alex' Shortlist

Die Longlist zum Buchpreis 2014 wurde auf Twitter ausgiebig diskutiert, Mara und Nina zum Beispiel berichteten von ihren Favoriten oder planen ein "Longlist lesen". Kerstin brachte mich später auf die Idee, eine persönliche Shortlist zu küren. Hier ist nun also meine Auswahl, ich bin sehr gespannt auf ihre Favoriten!

In den Buchläden kann man im Moment das Lesebuch zur Longlist bekommen, dort sind kurze Leseproben zu allen 20 nominierten Titeln und einige Worte zu den Autoren enthalten. Ich habe mich in den letzten Tagen in jeder freien Minute (auf diversen Autofahrten durchs Rhein-Main-Gebiet ... keine Angst, als Beifahrer) durch dieses Büchlein gelesen und nur anhand dieser kurzen Eindrücke meine Favoriten gekürt. Meine persönliche Shortlist basiert nun ausschließlich auf einem Bauchgefühl nach dem Lesen und dem "oh, davon muss ich mehr wissen" nach der Lektüre.

Über das Ergebnis bin ich dabei selbst sehr überrascht:
  • zwei Titel deren Inhaltsangaben mich vorher sehr interessierten, waren dann doch nicht mein Fall, "Koala" und "3000 Euro"
  • Titel, die ich gar nicht auf dem Schirm hatte, waren überraschend mitreißend und Liebe auf den ersten Blick, z.B. "Das Polykrates-Syndrom" oder "Der Allesforscher"
  • die Shortlist müsste ich theoretisch um zwei Titel ausweiten, "Pfaueninsel" und "Zwei Herren am Strand" waren auch wirklich toll, konnten aber gegen die übrigen Werke für mich nicht ganz mithalten
  • nur zwei Leseproben haben mich total enttäuscht "Am Fluss" und "Kruso" konnte ich nichtmal beenden, gar nicht meins
  • unter den als Mitteltoll eingestuften Büchern gibt es noch ein oder zwei, die ich auch gern lesen würde, obwohl sie hinter den "ganz tollen" zurückstehen, z.B. "Panischer Frühling" und Kastelau"

So! Genug der Vorrede, hier ist nun meine persönliche Shortlist 2014:

"Das Polykrates-Syndrom" von Antonio Fian (Droschl Verlag, 240 Seiten, 19,00 €)

Artur führt eine unspektakuläre, in geordneten Bahnen verlaufende Ehe mit der Mittelschullehrerin Rita, jobbt, obwohl Akademiker, in einem Kopierzentrum und als Nachhilfelehrer und ist ganz allgemein nicht sonderlich ehrgeizig oder anspruchsvoll. Bis eines Tages eine gewisse Alice den Copyshop betritt und eine Notiz hinterlässt … 

Die Leseprobe hatte sofort Charme, ein kurzer Besuch im Altenheim, keine große Spannung, wenig über den Hintergrund der Geschichte, aber Humor, Biss, ein Schreibstil der Lust auf mehr macht und Charaktere die man kennenlernen möchte. Mein erster Überraschungstreffer!


"Kleine Kassa" von Martin Lechner (Residenz Verlag, 264 Seiten, 22,90 €)

Der Schlaueste ist Lehrling Georg Röhrs nicht. Doch er hat einen Traum: Liftboy in einem Hotel am Meer will er werden, mit seiner verschwundenen Jugendliebe Marlies den Nachtzug nehmen und aus der heimatlichen Enge fliehen. Als Georg über eine Leiche stolpert und unbeabsichtigt den Schwarzgeldkoffer seines Meisters entwendet, überstürzen sich die Ereignisse: An einem einzigen Wochenende verliert er Wohnung, Arbeit, Eltern, Freunde, Geld, Liebe und vielleicht ein Stückchen seines Verstandes – und doch steht am Ende dieser halsbrecherischen Jagd eine neue, ungeahnte Freiheit…

Ich hatte keine Ahnung, worum es in "Kleine Kassa" gehen sollte, dachte eher an eine Mädchengeschichte und wurde dann in der Leseprobe in eine so spannende, so konfuse Szene geworfen, dass ich erstmal völlig überrumpelt war. Trotzdem haben diese vier Seiten gereicht um weiterlesen zu wollen. Nein, zu müssen!


"Unternehmer" von Matthias Nawrat (Rowohlt Verlag, 144 Seiten, 16,95 €)

Matthias Nawrats Roman führt uns in den Schwarzwald, zu einem Familienunternehmen der besonderen Art. Zwischen Utzenfeld und Schönau, der Ravenna-Schlucht und der Ruinenstadt Staufen sind sie unterwegs – der Vater, die 14-jährige Lipa und der einarmige Berti, ihr kleiner Bruder – unterwegs zu den verlassenen Fabriken der ehemals boomenden Region. Sie suchen nach Magnetspulenherzen, rattrigen, summenden, um sie bei dem Mann mit den Öllappenhänden in Klimpergeld zu verwandeln. Doch die Nachfrage sinkt, und so wagen die drei einen besonders gefährlichen Beutezug, mit ungewissem Ausgang.

Zählt "Unternehmer" schon zur Dystopie? Es fällt jedenfalls genau in meine Leidenschaft und hat nebenbei einen Erzählton angeschlagen, der mich neugierig macht. Die kurze Leseprobe hat gereicht um das Grundprinzip der Geschichte zu erkennen und ich möchte nun unbedingt wissen, wie's weitergeht. Eine echt spannende Thematik!


"Vor dem Fest" von Sasa Stanisic (Luchterhand Literaturverlag, 320 Seiten, 19,99 €)

Es ist die Nacht vor dem Fest im uckermärkischen Fürstenfelde. Das Dorf schläft. Bis auf den Fährmann – der ist tot. Und Frau Kranz, die nachtblinde Malerin, die ihr Dorf zum ersten Mal bei Nacht festhalten will. Ein Glöckner und sein Lehrling wollen die Glocken läuten, das Problem ist bloß: die Glocken sind weg. Eine Füchsin sucht nach Eiern für ihre Jungen, und Herr Schramm, ein ehemaliger Oberst der NVA, kann sich nicht entscheiden, ob er Zigaretten holen soll oder sich in den Kopf schießen. Alle haben sie eine Mission. Alle wollen sie etwas zu Ende bringen, bevor die Nacht vorüber ist.

Ich weiß nicht warum, aber irgendwie hatte ich vor "Vor dem Fest" ein bisschen Bedenken, habe einen Roman befürchtet der rein intellektuell und dabei (trotz interessanter Thematik) irgendwie trocken wirken könnte. Es haben einige Zeilen gereicht um das zu widerlegen, die Leseprobe beginnt mit dem Tod des Fährmanns und die Überlegungen dazu und drumherum wirkten witzig und dabei auch ein bisschen philosophisch, auf jeden Fall sympathisch. Das Buch möchte weitergelesen werden!


"Der Allesforscher" von Heinrich Steinfest" (Piper Verlag, 400 Seiten, 19,99 €)

Sixten Brauns vollkommen normales Managerleben implodiert, als in Taiwan ein Wal explodiert und Sixten von irgendeinem Teil des Wal-Innenlebens k.o. geschlagen wird. Kaum aus dem Krankenhaus entlassen, stürzt er mit dem nächstbesten Flugzeug ab – und überlebt abermals. Doch nicht ohne zwischendurch die große Liebe erlebt zu haben. Und so kommt er Jahre später – Sixten hat sich längst vom Manager zum Bademeister gewandelt – zu einem Kind, das auf gar keinen Fall sein eigenes sein kann, es dann aber plötzlich doch ist: ein frisch verwaister Junge namens Simon, der nicht spricht, außer in seiner eigenen, nur ihm selbst verständlichen Sprache.

Mein absoluter Favorit bisher ist "Der Allesforscher" von Heinrich Steinfest, der Anfang ist so fantastisch und fast schon filmisch, dass ich völlig gebannt gelesen habe und etwas verdattert war, als die wenigen Seiten vorbei waren. Der absurde und dadurch für mich zusätzlich völlig perfekte Teil der Geschichte hatte noch nicht begonnen als ich schon verliebt war.


"Der aufblasbare Kaiser" von Michael Ziegelwagner (Rowohlt Berlin Verlag, 256 Seiten, 19,95 €)

An einem regnerischen Wiener Frühlingstag des Jahres 2011 drückt Vera Beacher, genannt Beachy, halb versehentlich auf ein obskures Klingelschild – und gerät in eine monarchistische Geheimloge. Das kommt der jungen Frau gerade recht, denn der «Legitimistische Club», der gern den greisen Otto von Habsburg als Kaiser inthronisieren würde, lenkt sie von diversen Sorgen und einer überhaupt vollumfänglichen Da­seinsunsicherheit ab – einem möglicherweise gebrochenen Knöchel, der atmosphärisch unguten Kon­stellation im Büro, einem bevorstehenden Junggesellinnenabschied und ihrem etwas kühlen Liebhaber Robert. Vera findet Gefallen an den eigensinnigen Legi­timisten und ihrem festen Weltbild, nicht zuletzt auch am feschen jungen Herrn Blawicz. Bald gerät sie immer tiefer in den Kreis.

Okay, ich geb's zu: dieses Buch landet auf meiner persönlichen Shortlist, weil es meinen makaberen Humor teilt. Deswegen die Anmerkung zu Beginn, dass es hier auch um Bauchgefühl geht. Und "Der aufblasbare Kaiser" hatte bei der Szene gewonnen in der Vera überlegt ob ein gebrochenes Bein und ein Rollstuhl jetzt nicht genau das richtige wäre um dem Alltag zu entkommen. Politisch vielleicht nicht ganz korrekt aber so direkt und herrlich komisch.


Jetzt, mit meiner persönlichen Shortlist vor Augen, juckt es mich schon in den Fingern mit dem ersten dieser Bücher zu beginnen. Vielleicht wäre auch ein "Shortlist lesen" ganz lustig, natürlich nur mit meiner eigenen Shortlist und nicht mit der offiziellen, die vermutlich deutlich wissenschaftlicher gekürt wird als meine, von spontaner Begeisterung getriebene, Auswahl!

Was meint ihr, welcher Titel von dieser Liste wäre euer Favorit?

Samstag, 30. August 2014

Rezension: Das Dorf der Mörder von Elisabeth Herrmann

Nach meinem letzten Problem mit Skoobe „einfach wild drauflos lesen“ habe ich diesmal gezielt nach einem Wunschlistenbuch gesucht und hatte Glück! „Das Dorf der Mörder“ hat mich im Urlaub begleitet und bildete trotz der anhaltenden Thriller- und Krimimüdigkeit wiedermal einen schönen Höhepunkt.

„Das Dorf der Mörder“ von Elisabeth Herrmann
480 Seiten
19,99 € (Hardcover)









Im Berliner Tierpark werden die Besucher von einem furchtbaren Anblick geschockt: im Gehege der Pekaris (quasi brasilianische Wildschweine) wird eine menschliche Leiche von den wütenden Tieren zerfetzt. Mitten im Trubel erreicht die Streifenpolizistin Sanela Beara den Ort des Geschehens. Statt nur die Situation zu sichern, wird sie von dem Fall unglaublich angezogen und ermittelt weit über ihre Kompetenzen hinaus. Dabei lässt sie nicht locker obwohl schnell eine Verdächtige ausgemacht wird.

Nicht nur die Ermittlungen von Sanela Beara sondern auch die psychologische Arbeit zweier Gutachter mit der Verdächtigen machen den Hauptteil des Buches aus. Dabei gehen die Psychologen von der bewiesenen Tat aus, während die junge Streifenpolizistin immerwährend nach weiteren Möglichkeiten forscht. Auch die Kapitel werden aus diesen wechselnden Perspektiven erzählt und halten so die Handlung immer spannend. Denn natürlich wird die Perspektive immer genau dann gewechselt, wenn gerade eine spannende Entdeckung bevorsteht. Das ist gemein, macht aber unglaublich süchtig. Vor allem da die Kapitel angenehm kurz, aber nicht zu knapp sind, entsteht ganz schnell dieser „nur noch ein Kapitel“-Sog. Ihr kennt das.
Die Mordmethode in diesem Krimi ist ungewöhnlich, ziemlich blutig und steht zur angenehmen Abwechslung nicht im Zentrum des Buches. Es gibt keine langen, grausamen Beschreibungen sondern zwar einige brutale Szenen, aber eine recht sachliche Darstellung der Geschehnisse. Dadurch wirkt das ganze auf mich deutlich authentischer als diese Aufmerksamkeit-heischenden Krimis und Thriller, von denen mein Opa sagen würde „die musst du gerade halten, sonst tropft das Blut raus!“.
Von der Streifenpolizisten, über den Psychologen bis hin zur Verdächtigen Charlotte Rubin sind außerdem alle Charaktere interessant beschrieben, haben nachvollziehbare Stärken und Schwächen und geben trotzdem nicht alle Geheimnisse sofort preis. Eine angenehme Mischung.
Besonders angetan hat  es mir die düstere Symbolik innerhalb der Geschichte. Schnell kommen die Erinnerungen der Verdächtigen an ihre Kindheit in einem einsamen brandenburgischen Dorf ins Zentrum der Ermittlungen. Die Bilder dieser Abschnitte sind deutlich und düster: bellende Hunde, Blut, Schweine, ein verfallener Hof. Es ergeben sich verschiedene Verbindungen durch diese Symbole und alles zusammen bildet eine spannende Atmosphäre. Der Schreibstil ist passend dazu bildreich und kurzweilig, trägt die Atmosphäre schön weiter und greift die Symbolik auf.
Negativ aufgefallen sind mir lediglich einige Ungereimtheiten beim Verhalten der Protagonisten. Zwar war ihre Motivation immer klar, ab und zu wirkte ihr Verhalten aber einfach konstruiert und etwas unglaubwürdig. Vor allem die junge Ermittlerin hätte wohl eine andere Position innehaben müssen, um so zu agieren.
Insgesamt vergebe ich 4 von 5 wirklich zufriedenen Leseratten. Von der beklemmenden Atmosphäre und tollen Spannung möchte ich sofort MEHR. Ich habe mir auf Skoobe also gleich ihre übrigen Bücher vorgemerkt.


Das Buch in einem Tweet: Ein angenehm strukturierter, spannender und düsterer Krimi mit leichten Schwächen. "Das Dorf der Mörder" hat mich trotzdem begeistert.

Donnerstag, 28. August 2014

Angelesen: Das Haus am Himmelsrand von Bettina Storks

Wenn ich mich genau analysiere, dann fällt mir auf, dass sich meine Lust auf Leseproben umgekehrt proportional zur verfügbaren Lesezeit entwickelt. Das hat den kniffeligen Nebeneffekt, dass ich tolle Bücher entdecke (und horte) die ich dann gar nicht schnell genug Lesen kann.

Nun gut. Wem erzähle ich das? Dieser Blog hier ist ja so was wie eine endlose Therapiesitzung in meiner Büchersucht. Also fröhlich weiter mit der neuesten Entdeckung von vorablesen! Diesmal mach ich's kurz, es ist mehr so ne Bauchentscheidung diesmal.

"Das Haus am Himmelsrand" von Bettina Storks
464 Seiten
19,99 € (Hardcover)
Erscheint am 15.09.2014
(Zur Leseprobe von Vorablesen kommt ihr hier)

Der letzte Wille von Elisabeth Tanners Großvater verwirrt die ganze Familie: das Familienanwesen Rosshimmel soll an einen völlig Fremden verschenkt werden. Neben dem eigentlichen Testament hat aber Elisabeths Großvater auch noch ein ganz eigenes Vermächtnis an sie übergeben "Sorge für Gerechtigkeit". Elisabeth soll nach Rosshimmel reisen und dort den alten Familiengeheimnissen auf den Grund gehen.

Ja, da hätten wir es wieder, mein magisches Wort "Geheimnis" ist gefallen und ich bin neugierig. Ich weiß ja, dass ich da sehr einfach gestrickt bin, aber wenn ein Buch verspricht lange gehütete Geheimnisse und Verwicklungen zu bieten bin ich einfach magisch angezogen. Familiengeschichten sind da natürlich besonders geeignet für düstere Abgründe und Verwicklungen. Für mich hat das so einen Wohlfühl-Kuschel-Faktor, den ich beim Lesen sehr genieße. Und genau in diese Richtung geht "Das Haus am Himmelsrand" nun hoffentlich auch. Schon Titel und Cover versprechen so eine warme, ruhige Atmosphäre, wie sie auch in der kurzen Leseprobe schon rüberkommt. Der Erzählstil ist flüssig und modern, leichte aber nicht unbedingt seichte Kost. Das könnte ein echtes Wohlfühlbuch werden.

Ohne eine echte Ahnung zu haben, wie sich die Geschichte entwickeln wird und mit dem Risiko bei einem Pferde- oder Kriegsbuch zu landen bewerbe ich mich um "Das Haus am Himmelsrand" und hoffe auf einen blinden Glückstreffer.

Mittwoch, 27. August 2014

Liebster Award - Discover new Blogs! die Zweite

Die Steffi alias Litis von "Litis fabelhafte Welt der Bücher" hat unseren Blog neu entdeckt und uns gleich getaggt! Darüber haben wir uns sehr gefreut, zumal es schon unser zweiter Liebster Award ist. Da uns die Fragen auch sehr gut gefallen, haben wir uns entschlossen teilzunehmen. 

Die Regeln sind:
- Beantworte die 11 Fragen. 
- Stelle selber 11 Fragen. 
- Tagge 11 andere Blogger/-innen 
(Hier lassen wir wieder dem Rattenrebell freien Lauf - wie beim letzten Mal sind wir auch heute noch der Meinung, dass 11 für einen liebster etwas viel sind - schließlich sind wir verheiratete Frauen ;-) )

1. Welche Eigenschaften sollt ein sympathischer Protagonist in einem Buch haben?
Susi: Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Authentizität und Konsequenz. Das mag ich auch an "echten" Menschen am liebsten. Du bist ok, wie du bist, so lange du dazu stehst und dir selber treu bleibst. Ganz treu nach dem Motto mag ich auch Bösewichte und Schufte.
Alex: Ich mag die Underdogs! Protagonisten, die ein bisschen anders sind, dabei aber menschlich wirken. Protagonisten die Schwächen haben und am Besten noch dagegen ankämpfen. Ein tolles Beispiel ist Daniel Torrance in "Doctor Sleep" dem "Shining" Nachfolger von Stephen King.

2. Hast du Prioriäten was das Buchformat (z. B. Hardcover, Softcover) angeht? Wenn ja welche?
Susi: In der Hinsicht (und jetzt spricht die BWLerin in mir) leide ich an einem echten Zielkonflikt. Die Hände sagen "Hardcover", der Verstand sagt "Taschenbuch" (aus finanziellen Gründen). Sie haben sich beide zuletzt auf "gebraucht geeinigt.
Alex: Dem kann ich mich so anschließen. Zusätzlich greife ich bei Buch-Fast-Food (Krimi & Thriller) oder spontanen Wünschen gern zum ebook!

3. Ist es dir wichtig, dass deine Freunde auch lesen und dich mit ihnen austauschen kannst?
Susi: Nein. Es gibt so viele hundert schöne Dinge in der Welt und ich mag es, dass meine Freunde alle anderen Interessen und Ansichten haben.
Alex:  Erschreckend. Auch hier kann ich nur deutlich Nicken zu Susis Antwort!

4. Weißt du vor Beenden des aktuellen Buches bereits, was du als nächstes lesen wirst?
Susi: Ich bin eine Parallelleserin. Ich lese gerne mehrere Bücher parallel, meist weil sie verschiedene Genren/Stimmungen haben und ich sie je nach eigener Gemütslage und Tagesform wähle. Deswegen ist das bei mir sowieso ein fließender Prozess.
Alex:  Ja, das überlege ich mir meist in den Lesepausen. Wenn der Drang nach dem Nachfolgebuch dann zu übermächtig wird, lese ich (genau wie Susi) aber auch parallel.

5. Welches ist das beste Buch, das du je gelesen hast?
Susi: Was eine schwierige Frage!!!!! Ich finde, so etwas gibt es nicht. Aber hilfsweise verweise ich auf die passende Montagsfrage dazu: "Wenn ihr immer wieder nur dasselbe Buch verschenken dürftet, welches wäre es?"
Alex: Da ich das unmöglich beantworten kann, möchte ich auf meine Lieblinge-Liste verweisen, dort finden sich viele meiner Herzensbücher, die mich alle sehr begeistert haben!

6. Wo kaufst oder erwirbst du in der Regel deine Bücher?
Susi: Mindestens 50 % von mir sind ein Mainstream-Girl. Also bin ich ganz mutig und sage Amazon ^^
Alex: Meistens kaufe ich online bei Amazon oder Rebuy mein Lesefutter, unterwegs beim Shoppen geh ich aber auch gern zu Thalia oder Hugendubel.

7. Zu welcher Tageszeit und an welchem Ort liest du am liebsten?
Susi: Ich lese eher unregelmäßig und am liebsten unterwegs. Also in Zügen, U-Bahnen, Autos ....
Alex: Rund um die Uhr, überall. Wenn ich könnte.

8. Welches Genre lehnst du kategorisch ab? Gibt es ein Genre, mit dem du so gar nichts anfangen kannst?
Susi: Puh ... Teenieliteratur. Die konnte ich noch nicht mal leiden, als ich selber ein Teenie war :'D
Alex: Ich kann im Moment zwar mit reiner Chik-Lit oder auch historischen Romanen nicht viel anfangen, aber ich lehne kein Genre kategorisch ab. Ich habe einfach schon im größten Trash echte Perlen entdeckt, da verlasse ich mich auf mein Gespür.

9. Was kann dich beim Lesen wirklich stören? Gibt es überhaupt etwas, das dich aus der Ruhe bringt?
Susi: Da ich viel unterwegs lese, natürlich meine Mitreisenden. Aber meist im positiven Sinne - ich mag es anderen Leute zuhören zu können und Anteil an ihrer Lebensgeschichte zu nehmen. Das kann oft besser sein als jedes Buch.
Alex:  Bis auf meine eigenen Grübeleien, wenn ich mal nen schlechten Tag hatte, bringt mich beim Lesen nichts aus der Ruhe.

10. Hat dich ein Buch schon mal so richtig enttäuscht? Wenn ja welche/s?
Susi: Richtig enttäuscht haben mich eigentlich immer nur Krabbeltischbücher. Am nähesten einer Enttäuschung kommt ... obwohl wartet! Eine echte Enttäuschung war "Mit der Linie 4 um die Welt" gefolgt von "Das Wesen der Dinge und der Liebe"
Alex:  Enttäuscht bin ich meist nur dann, wenn ein Buch so gar nicht die Hoffnungen erfüllt, die ich in es setze. Das ging mir bei "Das Verschwiegene" von Linn Ullmann so, da hatte ich einfach ganz andere Erwartungen.

11. Hast du Lesezeichen und wenn ja, wie sehen diese aus?
Susi: Ich bin ein Mädchen - und das äußert sich zwar in keinem Schuhtick, aber dafür steh ich auf Kleinkram, den man scheinbar nicht braucht und doch braucht. Deswegen muss ich mich schwer zurückhalten nicht ständig Lesezeichen zu kaufen. Zumal ich finde, dass Straßenbahntickets oder ähnliches auch wunderbare Lesezeichen sind. Denn sie haben einen wundervollen Vorteil: Sie sind schöne historische Zeugnisse. In den Büchern meiner Eltern finden sich imme noch kleine Bahntickets und andere Billets. Ich freue mich immer wieder sie wieder zu entdecken. Und so geht es mir zum Teil auch schon mit kleinen Liebesbotschaften und ähnlichem, die ich vor Jahren in Büchern zurückgelassen habe.
Alex: Kassenzettel, Postkarten, Fotos, Verlagsprogramme... bei mir dient alles als Lesezeichen, das in ein Buch passt. Am liebsten sind mir aber ganz snobistisch Lesebändchen, denn wenn ich Abends einschlafe fliegen die nicht im Bett umher ;)...

Jetzt kommt der schwerste Teil: 11 eigene Fragen und eine Nominierung. Unsere erste Nominierung haben wir von Méditerranée von Méditerranée Books Blog bekommen. Und das wollen wir heute zurückgeben, vor allem weil sie mit so viel Elan bei unserer Challenge dabei ist:

1.Wir haben gesehen, es gibt auf deinem Blog gar keine "Über mich"-Seite. Warum ist das so?
2. Du blogst schon mehrere Jahren, wir haben bald unseren ersten Geburtstag: Hast du noch Tipps für uns?
3. Verschenkst du gerne Bücher?
4. Wie sieht dein Bücherregal aus: Klein und sortiert oder eher groß und chaotisch?
5. Was machst du mit gelesenen Büchern?
6. Was war dein bisheriges Lesehighlight in 2014?
7. Wie entscheidest du, was du als nächstes liest?
8. Versuchst du über gezielte Aktionen deinen Blog bekannter zu machen?
9. Bist du dieses Jahr auf der Frankfurter Buchmesse unterwegs?
10. Hast du einen Lieblingsverlag?
11. Kannst du uns eine gute Literaturverfilmung empfehlen?

Montag, 25. August 2014

Montagsfrage #32 von Libromanie


Die heutige Montagsfrage von Libromanie ist ja mal sowas von genau meins, dass ich einfach antworten muss! Dafür hält sich Susi heute zurück, sie guckt schon immer irritiert, wenn ich ihr erzähle, wofür ich mich gerade begeistere.

"Das abgefahrenste Buch, das du je gelesen hast?"

Abgefahren ist genau mein "Genre", ich mag Bücher mit skurrilen Charakteren oder abgedrehter Handlung, seltsame Gedankenspiele und alles was irgendwie "anders" ist.

Angefangen hat das mit "Illuminatus! Das Auge in der Pyramide", damals stand ich total auf Verschwörungstheorien und fand das alles super spannend. Verstanden habe ich das Buch vermutlich nicht ganz, die Handlung sprang wild hin und her, es gab diverse Anspielungen. Aber allein die Cover waren natürlich abgefahren und irgendwie "cool".

Bis heute werde ich magisch angezogen von verrückten Titeln und wirren Klappentexten. Ich kann mich nicht wehren, je abgedrehter der erste Eindruck, desto neugieriger werde ich erstmal. Meine aktuelle Lektüre passt auch schon wieder dazu: "Jetzt spricht Dylan Mint und Mr Dog hält die Klappe"

Das Abgefahrenste ist bei dieser Auswahl an jahrelanger abgefahrener Lektüre gar nicht so leicht zu küren. Aber dann fiel mir ein Gespräch ein, dass ich vor Kurzem mit meiner besten Freundin geführt habe. Ich erzählte ihr, worum es bei "Die Binewskis - Verfall einer radioaktiven Familie" geht und erntete verwirrte Reaktionen aber auch Begeisterung. Denn hier werden skurrile Charaktere mit einer abgefahrenen (also echt irren) Handlung kombiniert, bringen aber auch noch eine richtig tolle Aussage rüber. Abgefahren!

Noch ein echt abgefahrenes Buch (bzw. drei Bücher) kommt aus dem selben Verlag und hat mich auch in diesem Jahr überrollt. Die MaddAddam-Trilogie ist so einzigartig, abgefahren erzählt und enthält eine riesige Portion Wahnsinn aber auch Intelligenz. Ich konnte mich dieser Geschichte und ihren Ideen nicht entziehen und könnte direkt schon wieder von vorn anfangen.
Diese beiden Bücher sind (im völligst positiven Sinne) deart abgefahren, dass sie sich einfach im Kopf festfressen. Herrlich!

Sonntag, 24. August 2014

Thank God it was Sneakday: Mit ganzer Kraft

Alex und ich hatten beide eine harte Arbeitswoche. Bis Freitag haben wir es nur dank einem sehr lustigen Mittwoch geschafft. Erst haben wir Burger im Alex gegessen, während neben an im Metropolis-Kino Starauflauf wegen der Premiere von "Doktorspiele" war. Wir hatten viel Spaß dabei, den Security-Kräften und den zum Teil schillernden Gestalten zuzusehen, während wir nur dank des Filmplakats die Schauspieler von den Zuschauern unterscheiden konnten.

Der Film in der Sneak hatte dann eine ganz andere Grundstimmung:

„Mit ganzer Kraft“ polyband medien GmbH

Kinostart: 04.09.2014

Spiellänge: 86 Minuten
FSK 0

Website zum Film



Julien ist 17 und seit seiner Geburt auf den Rollstuhl und die Pflege seiner Mutter angewiesen. Sein Vater ist die meiste Zeit abwesend, weil er für immer wieder wechselnde Handwerkerjobs ständig unterwegs ist, was ihm auch sehr recht zu sein scheint. Als er wieder arbeitslos wird und für eine Weile zu Hause ist, versucht Julien eine Verbindung zu seinem Vater aufzubauen.

In der Garage entdeckt er alte Bilder von seinem Vater, die zeigen, dass er früher am Iron Man teilgenommen hat. Da sein bester Freund trotz einer körperlichen Behinderung mit seinem Vater joggt und Fahrrad fährt, möchte Julien das auch. Er drängt seinen Vater, der zunächst abblockt. Als Julien jedoch Reißaus nimmt, überdenkt er seine Haltung und baut sein Fahrrad so um, dass Julien in einem Sitz vor dem Lenker Platz nehmen kann. Er hofft, dass es damit genug ist, doch Julien träumt von der Teilnahme an einem echten Iron Man.

Alex und ich haben eine geteilte Meinung zu dem Film. Alex findet es übertrieben, wie der Vater dazu gedrängt wird den Iron Man zu absolviern, dass es ein zu hoch gestecktes Ziel ist. Ich finde, es geht lediglich um eine übersptitzte Darstellung. Der Film ist von wahren Begebenheiten inspiriert. Natürlich ist es im wahren Leben zu viel verlangt, dass der Vater, um eine Beziehung zu seinem Sohn aufzubauen, gleich einen Iron Man mit ihm absolvieren muss. Ich denke, in der Realität wäre es das Ergebnis von einem gemeinsamen Hobby und jahrelangem Training. Aber dramaturgisch gesehen, hat der Vater viele Jahre verpasst und holt so schneller in der Beziehung zu seinem Sohn wieder auf. Und schließlich dauert jeder Film nur anderthalb bis zwei Stunden. Da muss es etwas übertrieben schnell gehen.

Je nachdem, wie man dazu steht und wie sehr man sich auf den Film trotz seiner Schwächen einlässt, erlebt man die emotionalen Szenen im Film: als etwas pathetisch, übertrieben und realitätsfern oder als herzerwärmend. Dementsprechend ist er für mich einer dieser typischen Samstag-Nachmittags-Filme, wenn es draußen regnet und man etwas leichtes, aber nichts seichtes fürs Herz braucht. Davon habe ich auch Alex überzeugen können.

Der Sneak-o-Mat zeigte eine wesentlich bessere Tendenz:


Dennoch bleiben wir dabei: Unsere Eintrittskarten für "Mit ganzer Kraft" sind im mittleren Glas gelandet und wir von uns mit drei von fünf Kinoratten bewertet.


Der Film in einem Zwitschern:
"Mit ganzer Kraft" ist ein leichter Film für's Herz über Vater-Sohn-Beziehungen & Willenskraft mit einem leichten Hang zur Übertreibung.

Angelesen: Auslöschung von JeffVanderMeer, Teil 1 der Southern-Reach-Trilogie

Eine weitere der tollen Leseproben von Vorablesen wurde diese Woche freigeschaltet „Auslöschung“ von Jeff VanderMeer. Dieses Buch soll Teil 1 einer Trilogie werden. Bei Reihen bin ich ja eigentlich vorsichtig, aber Southern Reach hat mich dann doch interessiert.

„Auslöschung“ von Jeff VanderMeer
Teil 1 der Southern-Reach-Trilogie
240 Seiten
16,95 € (Hardcover)
Erscheint am 10.09.2014
(Zur Leseprobe von Vorablesen kommt ihr hier)





Niemand weiß genau, was in Area X passierte. Ein Gebiet, das seit einem mysteriösen Ereignis von der Außenwelt durch eine unsichtbare Grenze getrennt ist. Diese Grenze zu übertreten scheint dem menschlichen Verstand kaum möglich zu sein. Trotzdem schickt Southern Reach (eine Regierungsorganisation, die den Auftrag hat dieses Gebiet zu erkunden) immer wieder Expeditionen in Area X. Wir begleiten nun die ersten Schritte vierer namenloser Frauen in Area X. Um das Gebiet zu betreten wurden sie in Hypnose versetzt, aber auch innerhalb der Area X lässt ihre Anspannung kaum nach.
Vielleicht ist ja Margaret Atwood mit MaddAddam schuld, aber ich habe im Moment brennend Lust auf Dystopien. Da aber MaddAddam die Messlatte ziemlich hoch gesetzt hat, bin ich bei diesem Genre nun umso kritischer. Eine ziemliche Zwickmühle. Southern Reach hat mich trotzdem interessiert. Die Atmosphäre ist schaurig schön und die Beschreibung der Landstriche hat mich irgendwie an die Ebenen von Stephen Kings dunklem Turm erinnert. Eine Umgebung in der ich mich literarisch sofort zu Hause fühle.
Das führt dazu, dass ich trotz einiger Vorbehalte gern mit dieser Reihe beginnen würde. Die Vorbehalte beschränken sich im Moment primär auf die handelnden Charaktere und deren Interaktionen. Dass sie namenlos bleiben, stört mich nicht mal besonders, aber sie blieben dadurch in der Leseprobe auch leider ziemlich gesichtslos. Man weiß gar nicht so richtig, was man sich vorstellen soll. Der innere Film kommt ins stocken. Das ist auch bei einigen Beobachtungen der Gruppe so. Da wird ziemlich konfus ein Turm beschrieben der dann plötzlich unter der Erde liegt. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber meine inneren Szenenarbeiter im Kopfkino haben ganz schön geschwitzt, um das alles passend aufzubauen.
Mit dem Endergebnis war ich dann trotzdem zufrieden: als ich mich in der Szene eingerichtet hatte wurde es spannend und ich habe mich geärgert, als die Leseprobe vorbei war. Immer ein gutes Zeichen!

Samstag, 23. August 2014

Rezension: Die Bienen von Laline Paull

Endlich! Heute ist der Erscheinungstag von „Die Bienen“ von Laline Paull und ich darf euch endlich mehr darüber erzählen. Auf Twitter habe ich schon den ein oder anderen Eindruck, Zitat und Bild gezeigt, aber erst heute kommt die Rezension zu diesem schönen Buch.

„Die Bienen“ von Laline Paull
364 Seiten
19,95 € (wunder-, wunderschönes Hardcover)
ISBN 978-3-608-50147-6







Die letzte wirklich berühmte Biene war wohl Maja aus den Büchern von Waldemar Bonsels. In Laline Paulls Roman „Die Bienen“ lernen wir nun eine weitere, mindestens ebenso sympathische, Biene kennen: Flora 717.
Flora ist eine einfache Arbeiterin aber etwas zu groß, zu struppig und vor allem zu Vorlaut für ihren Rang. Dadurch fällt sie auf im Bienenstock. Sie findet Freunde und Unterstützer, eckt aber ebenso oft auch an. Zu allem Überfluss verspürt Flora im Verlauf eines turbulenten Jahres auch noch den Drang Eier zu legen, ein Privileg, dass eigentlich der Königin vorbehalten ist.
„Die Bienen“ war eine wirkliche Leseüberraschung für mich. Das Buch passt schwer in ein Genre, hat aber sehr viel zu bieten. Es ist ein bisschen Fabel und ein bisschen Abenteuerroman. Die Handlung wird spannend erzählt und ist gewürzt mit einer Prise Humor, auch wenn es manchmal eher langsame, fast zu ruhige Abschnitte gibt. Getragen wird alles von einem wunderschönen, poetischen und absolut ungewöhnlichen Schreibstil. Wo andere Autoren mit detaillierten Bildern arbeiten, zeichnet Laline Paull das Bild des Bienenstocks mit Gerüchen, Gefühlen und Farben. Das mag am Anfang ungewohnt sein und ich habe mich gefragt, wie wohl Misstrauen riecht, aber genau das ist es, was am Ende die Faszination des Buches ausmacht. Man taucht völlig ab in diese kleine Welt, die wir sonst wohl eher ignorieren.
Ob man „Die Bienen“ als Metapher über Individualismus und Mut liest oder einfach den tollen Abenteuerroman genießen möchte, ist eigentlich egal. Das Buch weiß zu begeistern und ist ganz „anders“ als viele andere Bücher in diesem Lesesommer.
„Die Bienen“ ist das perfekte Buch, um im Freien zu lesen, den Sonnenschein zu genießen und Bienen zu beobachten. Mir hat es durchgehend gute Laune gezaubert.

Wegen einigen Passagen, in denen die Handlung nicht so ganz voran kam, vergebe ich „nur“ 4 von 5 Leseratten, trotzdem ist es eine echte Leseempfehlung!
 

Das Buch in einem Tweet: "Die Bienen" ist ein wunderschönes poetisches Buch über eine mutige Biene. Ganz anders als viele andere Bücher. Nicht perfekt, aber wertvoll!

Donnerstag, 21. August 2014

Rezension: Anima von Wajdi Mouawad

Ich weiß nichtmal mehr genau, wie ich auf „Anima“ von Wajdi Mouawad stieß, es interessierte mich aber von Anfang an und war dann gleich eine spontane Bestellung und Belohnung an mich. Damit habe ich mir faszinierende Lesestunden gekauft mit einem Buch, das einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.

„Anima“ von Wajdi Mouawad
448 Seiten
16,90 € (Klappbroschur)









Die Frau von Wahsch Dibsch wurde brutal ermordet, er selbst fand sie in ihrer gemeinsamen Wohnung in Montréal auf und bricht völlig zusammen. Der Mörder steht schnell fest, entzieht sich jedoch in einem Indianerreservat der Polizei. Um dieses Trauma zu verarbeiten, möchte Wahsch dem Mörder seiner Frau einmal in die Augen blicken. Er reist quer durch Amerika auf der Suche nach dem brutalen Täter.

Die titelgebende Besonderheit dieses Buches ist die Erzählperspektive: Wahschs Reise wird nicht von ihm selbst erzählt, sondern von unzähligen Tieren, die ihn auf seiner Reise beobachten. Die Hauskatze sitzt dabei, als er seine Frau auffindet, beim Gespräch mit einem Pathologen kreist ruhig der Goldfisch im Glas und bei Gesprächen auf der Straße sind dutzende Straßentauben anwesend. Jedes Kapitel wird aus der Sicht eines anderen Tieres berichtet und schon anhand des Schreibstils sind die unterschiedlichen Charaktere der Tiere zu erkennen, ein absolut faszinierender Aufbau.
Der Goldfisch zum Beispiel ist selbstbewusst und beschreibt sich und seine Welt ruhig, gediegen und nahezu majestätisch.

„Ich bin der Größte. … Mein Lebensraum ist unermesslich endlos und verläuft an den Rändern.“ 
S. 19

Der Hund ist nervöser, angespannter und deutlich mehr auf die Menschen fixiert.

„Da ich diejenige, die mir mit erhobenem Zeigefinger bedeutet hatte, vor dem Eingang des Supermarkts auf sie zu warten, abgöttisch liebe, wagte ich nicht, gegen unsere Abmachung zu verstoßen und zu ihm zu laufen, obwohl ich den unbändigen Drang verspürte, ihn zu beschnüffeln, mich an ihn zu schmiegen, bei ihm zu sein.“
S. 17

Dadurch, dass das Buch aus dutzenden sehr kurzen Kapiteln besteht, entsteht ein ganz besonderer Sog. Noch schnell ein Kapitel, noch schnell erfahren wo und mit welchem Tier es weitergehen wird. Dazu kommen tolle Charaktere, die man gern verfolgt, und deren interessante Gespräche spannend zu belauschen sind. Eine wirklich gelungene Mischung.
Die Kapitel sind übrigens immer mit dem lateinischen Namen der Tiere überschrieben, man kann also erst im Anhang des Buches schauen, welches Tier an der Reihe ist, oder das anhand des Textes erraten.
Ein spanneder Aufbau und abwechslungsreicher Erzählstil, Charaktere die interessant sind, das könnte perfekt werden. Ein großes Manko hat für mich „Anima“ bei aller Begeisterung aber doch: die Geschichte ist zum Teil unfassbar brutal. Da kommen widerstreitende Gefühle zu all der Begeisterung: Ekel, Abscheu, Wut. Manche Teile scheinen nötig zu sein, gerade im Hinblick auf die Beschreibung von Wahschs Vergangenheit, die im Buch später eine zentrale Rolle spielt und eine Verbindung zu seinem aktuellen Leiden erhält. Ob dabei aber in dieser Genüsslichkeit den brutalen und brutal-sexistischen Szenen gefrönt werden muss, weiß ich nicht.

Für mich waren es unterm Strich 4 von 5 Leseratten, für schwache Nerven ist es dabei allerdings nichts und je empfindlicher der Leser, desto mehr leidet vermutlich der Lesegenuss bei diesem Buch.


Das Buch in einem Tweet: Ein dutzend tierischer Stimmen erzählt die Geschichte in „Anima“. Das ist faszinierend und manchmal trotzdem nichts für schwache Nerven.

Montag, 18. August 2014

Montagsfrage #31 von Libromanie


Auf die heutige Montagsfrage von Libromanie antworte ich allein, weil Alex ihr dunkles Geheimnis nicht lüften will. Ich sage nur so viel - unser Arbeitgeber betreibt eine eigene Bibliothek ... 

"Was wäre dein Traumjob, wenn du irgendetwas mit Büchern machen könntest?"

Achtung Klischeeantwort: Natürlich Schriftstellerin. Aber dann müsste in dem "könntest" enthalten sein, dass man noch etwas Talent dazu geschenkt bekommt. Und deswegen wohl Lektorin. Man sagt ja immer, wer's nicht selber kann, der kontrolliert andere ;-). Aber jetzt mal Spaß beiseite: Ich könnte mir den Job wirklich gut vorstellen. Seele streicheln und dennoch anspornen (sowas kann ich echt gut), Korrektur lesen (kann ich noch viel besser), Verbesserungsvorschläge für Plots, Figuren oder Erzählverläufe machen - ein Traum!

Also wer mal self-publishing plant - ich bin ein guter self-Lektor =)

Samstag, 16. August 2014

Rezension: Das Glück, wie es hätte sein können von Véronique Olmi

Diese Rezension ist schon überüberfällig. Ich denke, demnächst wird mich vorablesen auf irgendeine schwarze Liste setzen, wenn ich dieses Buch nicht bald rezensiere. Also los, los!


"Das Glück, wie es hätte sein können" von Véronique Olmi Antje Kunstmann Verlag

224 Seiten

19,95 € (Gebundene Ausgabe)

Die Leseprobe von vorablesen findet ihr hier.





Suzanne ist über vierzig, verheiratet und Klavierspielerin. Sie führt ein einfaches, bescheidenes Leben in Paris. Bis sie Serge trifft. Er ist sechzig, reicher Immobilienmakler, mit einer Frau in den Zwanziger verheiratet und zweifacher Vater. Serge ist zufrieden mit seinem Erfolg, den er daran misst, dass er reich ist, eine junge Frau und zwei wundervolle Kinder hat. Aber wirklich glücklich scheint er nicht zu sein.

Das Buch beschreibt, wie zwischen Suzanne und Serge scheinbar ohne Sinn und Verstand eine herzzereißende Leidenschaft entsteht. Die Intensität ist in jedem Wort spürbar und erstaunlich authentisch, auch wenn man es nicht verstehen kann. Ein Mann, eine Frau, ein Blick und wenig später steht er im Regen vor ihrem Haus, stundenlang. Ehe er bei ihr klingelt und sie einfach küsst und sie es einfach geschehen lässt.

Das Buch liest sich leicht und dennoch berührt es Herz und Hirn. Fast jeder Satz lässt einen nachdenken. Leider hat das Ende einiges davon zerstört. Natürlich musste es noch ein lang gehegtes Familiengeheimnis geben. Insgesamt war am Ende des Buches nur eines wieder klar: In Frankreich ist Liebe gleich körperliche Anziehung und zerstörerisch.

Bis zur Hälfte des Buches war es fünf Ratten wert. Danach stürzte es ab. Nach langem hin und her finde ich, dass das Buch dennoch vier von fünf Leseratten verdient hat. Vielleicht finden andere das Ende auch überraschend und spannend. Kreativ war es auf jeden Fall.





Das Buch in einem Zwitschern: 
"Das Glück, wie es hätte sein können" beschreibt eine leidenschaftliche Liebe intensiv & authentisch, doch das Ende zerstört den Zauber.

Donnerstag, 14. August 2014

Rezension: Der Circle von Dave Eggers

„Der Circle“ zu lesen war für mich ein bisschen, wie das tolle Gefühl, wenn man die Schutzfolie von ganz neuen Geräten abziehen darf. So ein staunendes, begeistertes „Ui“. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und habe es quasi am Stück verschlungen (nur unterbrochen von lästigen Alltagspflichten wie essen oder schlafen).

„Der Circle“ von Dave Eggers
560 Seiten
22,99 € (Hardcover)










Mae Holland beginnt nach einem öden Job bei den Gaswerken ein neues Leben. Sie hat einen der begehrten Jobs beim Circle bekommen, die trendigste Internetfirma ihrer Zeit. Der Circle vereint Innovationen im Hard- und Softwarebereich, Forschung und Entwicklung auf nahezu unzähligen Gebieten. Dafür werden nur die klügsten Köpfe eingestellt. Mae ist überglücklich dort eine (wenn auch zu Beginn recht niedrige) Anstellung gefunden zu haben. Doch auch beim Circle ist nicht alles heiter Sonnenschein und so merkt Mae trotz aller Begeisterung, dass hinter dieser hippen Fassade eine Menge Erfolgsdruck und strenge Regeln warten.

Mich hat „Der Circle“ ab der ersten Seite begeistert. Gemeinsam mit Mae betreten wir das Firmengelände, lernen die Firmenkultur und die Angestellten kennen und hangeln uns durch dieses komplexe System. Irgendwie wirkt die titelgebende Firma wie eine bedrohliche Mischung aus den großen Internetriesen unserer Zeit: ein bisschen Apple, ein bisschen Google, ein bisschen Facebook. Mehr noch als diese realen Firmen genießt der Circle, in der Welt von Dave Eggers Roman, einen überlebensgroßen Kultstatus. Jede neue Entwicklung wird von den Mitarbeitern und Kunden frenetisch gefeiert. Beim Lesen habe ich mich selbst immer wieder ertappt, wie ich mich von den begeisterten Schilderungen habe einlullen lassen. Erst dann wird der Verstand langsam wieder wach und merkt, was diese „netten Gadgets“ für unangenehme Auswirkungen haben werden. Diese hypnotische Wirkung hat mich wirklich beeindruckt.
Die Protagonistin Mae wirkt manchmal etwas blass und ziellos, macht aber eine sehr realistische Entwicklung durch. Anfangs etwas hilf- und orientierungslos steigert sie sich online in soziale Interaktionen hinein, die im realen Leben gar keine Entsprechung finden. Die Einsamkeit, die sie trotz Millionen Smiles und Likes erlebt, wirkt leider sehr real.
Spannend war für mich auch, dass ich beim Lesen geradezu ein schlechtes Gewissen entwickelt habe. Irgendwie wollte ich ja etwas über dieses Buch twittern oder auf Facebook dazu sagen. Aber das Buch hat mich zurückgehalten. Ich habe immer wieder überlegt, ob das nicht schon der Einstieg ist, zu dieser Fiktion die Dave Eggers da auf die Spitze getrieben hat.
Das der Autor da ganz bewusst mit diesen Ängsten und Horrovorstellungen vom „gläsernern Menschen“ und der absoluten Kontrolle arbeitet, finde ich aber keineswegs schlecht, sondern nützlich. Natürlich sind das zum Teil Klischees, aber wenn es hilft diese Themen weiter im Gespräch zu halten und nicht blind jedem Trend zu folgen, dann kann das auch nützlich sein.
Zum Schreibstil möchte ich nur festhalten, dass „Der Circle“ zwar mit einer sehr einfachen, geradlinigen Sprache auskommt, aber dadurch ganz und gar nicht bilderlos ist. Es gibt immer wiederkehrende Symbole und Versinnbildlichungen, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen wollten.

Da mich Buch, das so völlig in seinen Bann gezogen hat, kann ich nicht anders: 5 von 5 Leseratten von mir.


P.S. Das Ende hat mich wirklich überrascht, geschockt und ja, irgendwie aufgeregt, aber schließlich überzeugt. Ich war so völlig in der Handlung versunken, dass ich es nicht kommen sah. Ob ich jetzt diesmal furchtbar blind oder das Buch sehr gerissen war, ich kann es nicht beantworten.

Diesmal keinen Tweet, sondern Social Media in Zahlen:
Unseren Twitter-Account zum Read Pack gibt’s seit dem 03. Januar 2014.  In diesen 223 Tagen seitdem sind 817 Tweets entstanden, das macht durchschnittlich 3,66 Tweets pro Tag. Diese Tweets haben 1.811 Favoriten generiert und 205 Twitterer überzeugt uns zu folgen.

Mittwoch, 13. August 2014

Angelesen: Amandas Suche von Isabel Allende

Irgendwelche Synapsen in meinem Kopf müssen spinnen. Ich habe heute einen Tag frei, das Wetter ist toll und der SuB bietet im Moment großartige neue Bücher. Trotzdem klicke ich mich beim Kaffee erstmal durch einige Verlagsseiten und bleibe magisch angezogen beim Wort "Leseprobe" hängen. Einige uninteressante werden schnell weggeklickt und dann: zack! Gefangen. Ich bin bei Isabel Allendes erstem Krimi "Amandas Suche" hängengeblieben und konnte nicht mehr aufhören. Davon muss ich euch einfach erzählen!

"Amandas Suche" von Isabel Allende
479 Seiten
24,95 € (Hardcover)

Amanda spielt mit ihren Freunden das Online-Game "Ripper". Dort lösen sie ausgedachte Kriminalfälle im London zur Zeit von Jack the Ripper.
Amandas Vater ist Polizeichef, die Mutter Reiki-Meisterin und ihre Patentante Astrologin. Eine wilde Mischung. Amanda selbst ist nur eins: wahrheitsliebend und neugierig.
Als in San Francisco eine brutale Mordserie beginnt beschließen die Spieler rund um Amanda diesem realen Fall selbst auf den Grund zu gehen. Statt ausgedachte Verbrechen im virtuellen London zu verfolgen, möchten sie ihre Taktiken und Kenntnisse nun an der echten Welt erproben.
Leider ist die Leseprobe sehr kurz und gibt wirklich nur einen ganz kurzen Geschmack auf die Handlung. Aber allein diese wenigen Seiten haben gereicht um mich anzulocken. Die Figuren sind abwechslungsreich und interessant, der Ansatz, dass der Kriminalfall von einer Gruppe Jugendlicher gelöst werden soll außergewöhnlich.
Ich habe bisher noch nichts von Isabel Allende gelesen (Wissenslücke!) und bin daher völlig voreingenommen. Von den wenigen Bröckchen, die ich gelesen habe, würde ich behaupten, dass ich ihren Stil mag. Detailiert und dennoch fließend, nicht zu ausufernd aber trotzdem atmosphärisch.

Ich bin unglaublich neugierig auf den Rest der Geschichte und muss dieses Buch unbedingt lesen. Deshalb landet es jetzt gleich ganz oben auf der Wunschliste. Sobald der SuB etwas befreiter aussieht möchte ich mich diesem Buch widmen und es euch unbedingt vorstellen.

Hat jemand von euch dieses Buch (oder ein anderes der Autorin) schon gelesen und kann mir etwas darüber berichten?

Sonntag, 10. August 2014

Rezension: Die stille Frau von A.S.A. Harrison

Auf der Verlagsseite wird „Die stille Frau“ mit „Gone Girl“ von Gillian Flynn verglichen. „Gone Girl“ war in meinen Augen nicht perfekt, hat mir aber viel Spaß gemacht und ich habe seitdem auf ein ähnliches Buch gewartet. Die Beschreibungen von „Die stille Frau“ haben die hohe Erwartung geschürt, dass dieses Buch eher noch besser, psychologisch raffinierter, sein würde.

„Die stille Frau“ von A.S.A. Harrison
384 Seiten
14,99 € (Klappbroschur)









Jodi und Todd leben die äußerlich perfekte Beziehung. Sie ist für ihn da, bekocht und bemuttert ihn. Er versorgt sie, bringt kleine Aufmerksamkeiten für sie mit nach Hause und hört ihr zu. Hinter der wirklich netten Fassade ist aber längst nicht mehr alles so perfekt, wie vor Jahren noch. Todd betrügt Jodi und aus seiner neuesten Affäre entwickeln sich unheilvolle Geschehnisse.

Die Geschichte wird in wechselnden Kapiteln „ER“ oder „SIE“ aus Jodis oder Todds Perspektive erzählt. Beide Sichten sind jeweils recht reduziert beschrieben und wirken eher still. Dadurch aber, dass man immer das Gefühl hat, einem inneren Monolog zu lauschen, ist man auch sehr nah bei den Protagonisten. Dieser Aufbau hat mir sehr gut gefallen.
Eigentlich ideale Voraussetzungen um Sympathie und Nähe zu entwickeln. So richtig ist mir das aber während des gesamten Buches nicht gelungen. Beide wirkten etwas farblos und austauschbar. Dazu kommt, dass Jodi extrem schweigsam, ausgeglichen und ruhig (still eben) beschrieben wird. Ihre durchgehende Passivität aber nicht zu den anderen Facetten ihres Charakters passt, der starke Wunsch nach Kontrolle und Ordnung müsste sich doch während der Handlung irgendwie Bahn brechen. Darauf habe ich vergeblich gewartet.
Selten ist mir ein Buch begegnet, das über einen so langen Zeitraum eine so starke, unterschwellige Spannung aufbauen konnte. Wirklich tragisch war für mich dann aber, dass diese angestaute Spannung und alle drohenden Konflikte im letzten Drittel des Buches einfach irgendwie verpuffen. Das ist, als würde Norman Bates in „Psycho“ mit dem Messer hinter dem Vorhang warten, die Musik kreischt drohend und… er legt das Messer beiseite und geht dann doch lieber schlafen. Zwar unerwartet und irgendwie überraschend, aber leider keine positive Überraschung wie ich sie mir gewünscht hatte.
Der Schreibstil des Buches hat mir wirklich wunderbar gefallen und hätte bei einer etwas ausgefeilteren Handlung toll zur Geltung kommen können. Charakteristisch war die ruhige und recht sachliche Erzählweise, bei der aber schon einzelne Adjektive eine ganz eigene Aussage über die Charaktere treffen, statt nur die Situation zu beschreiben. Wenn beschrieben wird, wie Jodi beim Kochen das Gemüse in „exakte geometrische“ Formen zerteilt, sagt das für mich unterschwellig viel über ihren Charakter aus. Daraus hätte man viel machen können. So blieb die Protagonistin trotz allem (wie gesagt) eher farblos und der Eindruck den sie hinterlässt ist fast schon traurig: auf den eigenen Komfort bedacht und unfähig mit Veränderungen umzugehen bewegt sie sich durch die Handlung.

Insgesamt hat mir das Buch nur mittelmäßig gefallen. Gute Ansätze waren da, Spannung und ein toller Stil haben mich an das Buch gefesselt, aber die Qualitäten wurden zum großen Teil nicht genutzt. Die Auflösung der Handlung ist bei so einer Art von Roman einfach entscheidend und ist hier in meinen Augen nicht gut gelungen, undramatisch aufgelöst und „kurz und schmerzlos“ abgehandelt steht das Ende etwas schwach gegen den langen und starken Aufbau des Buches. Insgesamt vergebe ich 3 von 5 Leseratten.


Das Buch in einem Tweet: "Die stille Frau" ist die Stelle im Horrorfilm, bei der nach der tollen drohenden, zirpenden Spannungsmusik einfach... nichts passiert.

Freitag, 8. August 2014

Angesehen/Filmfreitag: Dallas Buyers Club


Die niemals still stehende Alex hat sich schon wieder etwas neues für euch ausgedacht: Den Filmfreitag! An diesem Tag werden wir euch Filme vorstellen, die wir euch ans Herz legen oder vor denen wir euch warnen wollen. Da mein Mann und ich uns letztens seit langem mal wieder einen Videoloadabend gegönnt haben, drängel ich mich heute vor. Die Filmfreitagpremiere soll schließlich gebührend gefeiert werden: Mit einem oscarpremierten Film, der vor Kurzem auf DVD erschienen ist:

"Dallas Buyers Club"

Produktionsjahr: 2013
Erscheinungstermin DVD/Blu-ray: 22.07.2014

Spiellänge 117 Minuten

FSK: 12

12,99 € (DVD) oder 15,99 € (Blu-ray)


Oscar: Bester Hauptdarsteller, Bester Nebendarsteller, Bestes Make-Up & Hairstyling

Ron Woodroof (Matthew McConaughy) ist das Negativklischee eines texanischen Cowboys: Er liebt Rhodeo, kokst, hurrt, trinkt und kennt keine Toleranz gegen irgendeine Randgruppe. Eines Tages erleidet er auf der Arbeit einen Stromschlag und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Die Diagnose - Aids. Wir schreiben das Jahr 1985 und die Ärzte geben ihm noch 30 Tage zu leben. Ron akzeptiert es nicht und denkt, es kann sich nur um einen Irrtum handeln. Schließlich ist der Testosteronmacho alles andere als homosexuell. Bis sein schlechter Gesundheitszustand ihn dazu bringt zu recherchieren und er herausfindet, dass besonders Drogensüchtige und Menschen, die ungeschützten Sex haben gefährdet sind. Da sein Dealer ihm gelegentlich in dunklen Ecken Kundinnen von ihm angeboten hatte, wird Ron klar: Es ist wahr - er wird sterben.

Als er nach einem weiteren Zusammenbruch im Krankenhaus landet, lernt er den Transsexuellen, ebenfalls aidskranken Rayon (Jared Leto) und die Ärztin Dr. Eve Saks (Jennifer Garner) kennen und erfährt, dass die neueste Hoffnung der Pharmaindustrie auf Besserung bei Aids-Patienten AZTheißt. Da er an der aktuellen Studie nicht teilnehmen kann, besorgt sich der erfahrene Dealer Ron das Medikament auf illegalen Wegen. Als seine Quelle erschöpft ist, reist er nach Mexiko zu einem amerikanischen Arzt, der seine Zulassung verloren hat. Dort erhält er zwar nicht, was er erwartet hat, aber echte Hilfe: Dank Vitaminpräperaten und Tipps zu gesunder Lebensführung geht es ihm immer besser. Dieses Wissen will er nutzen - ganz nach alter Manier naürlich um Geld zu verdienen. Er schmuggelt so viele Präperate, wie er tragen kann, in die USA und beginnt den Verkauf auf der Straße. Als homophober Cowboy blühen seine Geschäfte jedoch erst richtig auf, als er mit dem Transsexuellen Rayon gemeinsame Sache macht. Derweil kommen Dr. Saks immer mehr Zweifel an der Wirksamkeit von AZT auf ...

Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen: Wieso Schmuggel - es sind doch nur Vitamine? Wieso Dallas Buyers Club? Werden es Ron und Rayon schaffen? Was wird aus Dr. Saks? Aber dafür müsst ihr den Film gucken und aus sooo vielen Gründen mehr. Dallas Buyers Club ist sicher keine leichte Kost, doch niemals emotional manipulierend, sondern eine unglaublich präzise, spannende, authentische Darstellung einer wahren Geschichte. Alle drei Oscars sind unglaublich verdient - nicht nur weil beide Schauspieler so viel für die Rollen abgenommen haben. Sie scheinen ihre Figuren geworden zu sein. Dabei ist der Film auch unterhaltsam, witzig und lebensbejahend - und zwar wirklich. Nicht aller Precious! Deswegen muss man meiner Ansicht nach keine Berührungsängste haben, muss nicht besonders in der Stimmung für schwere Kost sein - diesen Film kann man immer gucken. Er ist einfach sehr gut und kann unumwunden jedem empfohlen werden. So etwas gibt es ganz selten bei Filmen, deswegen auch verdiente 5 von 5 Kinoratten.




Der Film in einem Zwitschern:
Dallas Buyers Club zurecht oscarpremiert: authentisch & lebensbejahend - ein Cowboy im Kampf gegen Aids, Pharmaindustrie & eigene Homophobie

Mittwoch, 6. August 2014

Rezension: Die Achse meiner Welt von Dani Atkins

Das ich Gedankenexperimente und „was wäre wenn“ in Geschichten sehr mag, hat man bestimmt schon an meinem ein oder anderen Buch gemerkt, vor kurzem ja sogar ganz offensichtlich. „Die Achse meiner Welt“ ist nun von Titel und Richtung deutlich verträumter, bringt aber auch ein echtes Gedankenexperiment mit und hat mir großes Vergnügen bereitet.

„Die Achse meiner Welt“ von Dani Atkins
318 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)








Rachel wird bald mit ihrem Studium beginnen und hat ein chancenreiches Leben vor sich, als ein tragischer Unfall ihr Schicksal wendet. Gemeinsam mit ihrem Freund und der Clique sitzt sie beim Essen, als ein Auto in das Lokal rast und ihren Kumpel Jimmy erfasst, während dieser Rachel gerade in Sicherheit bringt. Jimmys selbstlose Tat berührt Rachel, aber es sind nicht nur Schuldgefühle, die sie in ein so düsteres Loch reißen. Sie vermisst Jimmy, kämpft die nächsten Jahre schwer mit den Folgen des Unfalls und trennt sich sogar von ihrem Freund. Fünf Jahre später erleidet Rachel dann erneut einen tragischen Unfall. Als sie erwacht, scheint ihre Welt auf den Kopf gestellt. Jimmy lebt, der Unfall ist so nie geschehen… die Welt scheint sich zurückgedreht zu haben. Was will Rachel nun aus dieser neuen Chance machen?

Bei diesem Buch musste ich die Inhaltsangabe einfach etwas ausufern lassen, weil ich die Geschichte sehr schön und faszinierend finde. Nicht jeder hat natürlich so einen tragischen Fall vor Augen, wenn er an „was wäre wenn“ denkt, aber Gedankenspiele, ab einem bestimmten Punkt in seinem Leben eine gewisse Entscheidung oder auch nur die eigene Haltung zu verändern, hat wohl schon jeder gemacht. So charmant das klingt, für die Protagonistin in „Die Achse meiner Welt“ zeigt sich schnell, dass auch ein gewisser Schmerz darin liegt, aus dem eigenen Leben gerissen zu werden. Gerade diese emotionale Berg- und Talfahrt hat mich total gefesselt.
Der Schnitt in der Geschichte, zwischen den parallelen Realitäten, wirkt recht hart und plötzlich, die Überlegungen, welche Auswirkungen das auf das Leben von Rachel hat, sind dabei aber wunderbar umgesetzt und konsequent weitergedacht. Ich hatte einige eigene Theorien und habe sie wieder verworfen, habe gegrübelt und das Ende dann zwar schon geahnt, war aber trotzdem traurig berührt, als es wirklich wahr wurde.
Das ist insgesamt für mich der größte Pluspunkt des Buches: es kann berühren.
Die Charaktere sind nicht unbedingt außergewöhnlich, die Clique wirkt recht gewöhnlich zusammengestellt: das normale Mädchen, die nette Freundin, die schöne Unnahbare, der Schönling,  der schüchterne aber sympathische Kumpel. Einige der Figuren scheinen, als wären sie aus anderen Büchern irgendwie schon bekannt und können nicht wirklich überraschen. Trotzdem hängt man im Laufe der Geschichte sehr an ihnen und möchte wissen ob (und wie!) es weitergeht. Da kann ich es auch verschmerzen, dass (vor allem zu Beginn des Buches) auch das ein oder andere Gespräch zwischen den Charakteren noch sehr klischeehaft wirkt. Die Entwicklung, die später vor allem bei Rachel, einsetzt hat mich dafür „entschädigt“ und mich das Buch förmlich einsaugen lassen. Ihre fieberhafte Suche nach der Wahrheit und richtigen Entscheidungen hat mich nicht mehr los gelassen. Bei diesem Buch ist es also eindeutig die außergewöhnliche Handlung und weniger die Charaktere, die im Kopf haften bleiben.

Ich vergebe insgesamt 4 von 5 Leseratten für ein Buch, das mir gut gefallen hat und mich trotz einiger kleiner Schwächen überzeugen konnte.
 

Das Buch in einem Tweet: „Die Achse meiner Welt“ bringt eine Liebesgeschichte durchs Kaleidoskop betrachtet. Nicht ganz unerwartet aber schööön und richtig traurig.

Montag, 4. August 2014

Montagsfrage #30 von Libromanie


Auf die heutige Montagsfrage von Libromanie antworte ich allein. Offiziell weil Susi nichts dazu zu sagen hat. Aber ich glaube heimlich, dass sie über dieses traumatische Erlebnis einfach noch nicht sprechen möchte. Denn meine Antwort auf die Montagsfrage hat sie zu meinem Geburtstag am eigenen Leib erlebt... ;-)

"Bekommst du eigentlich noch Bücher geschenkt?"

Wie bei den meisten anderen Leseratten ist auch mein Umfeld der Meinung, dass ich genügend Bücher besitze. Dazu kommt eine gewisse Unsicherheit, was ich mögen/lesen würde und was ich nicht alles schon kenne. Praktische oder kreative Geschenke machen sich in den Köpfen meiner Freunde und Familie breit. Buchgeschenke? Fehlanzeige!

Doch da muss ich einschreiten! Also beginne ich mein Umfeld schon eine ganze Weile vor dem entsprechenden Anlass ganz *hust* dezent darauf vorzubereiten. Ehrlich gesagt: Ich beginne mit Zaunspfählen in autobahnbrückenpfeilerstärke zu winken.

"Ach, guck mal... am 08. September erscheint 'Mr Mercedes' von Stephen King. Das würd ich ja gern Lesen *seufz*"

"Ist das Cover von 'Steine im Bauch' nicht toll *hinzeig*. Schon faszinierend, würde ich ja gern mal lesen!"

"Zu schade, dass ich 'Jenseits der Untiefen' nicht gebraucht bei Rebuy gefunden habe. Aber das muss ich mir dringend merken, wollte ich ja schon immer gern lesen!"

Wer diese Indoktrinierung hinter sich hat, kann meist nicht mehr anders, als mir das dezent angesprochene Buch zu schenken. 
Manchmal geht natürlich auch das daneben und ich bekomme einen Satz neue Topflappen oder Amway Reinigungsmittel (Hallo, Oma! ;-)...)

Klarstellung durch Susi
Alex lügt, wenn Sie von dezent spricht. Ich habe um mehrere Monate bei Whatsapp zurückgescrollt (eine echte Leistung, denn wir schreiben uns täglich) und folgende Nachricht gefunden: 
Alex: "Sag mal gesetz dem Fall, dass du mir was zum Geburtstag schenken wollen würdest, wäre das rein hypothetisch vielleicht ein Buch?"
(Nachdem ich dann vorgeschlagen habe eigentlich heimlich mit ihrem Mann was auszumachen, hab ich Alex gefragt, ob sie sich was wünschen möchte. Daraufhin erreichten mich zwei Amazon-Links. :'D )

Sonntag, 3. August 2014

Rezension: Die Wahrheit und andere Lügen von Sascha Arango

„Die Wahrheit und andere Lügen“ war Petzis Wunschbuch zum Welttag des Buches nach unserem Gewinnspiel. Auch andere Blogger haben schon davon berichtet. Als ich es dann bei Skoobe fand, war ich einfach sehr neugierig und habe reingelesen und schnell Gefallen daran gefunden.

„Die Wahrheit und andere Lügen“ von Sascha Arango
304 Seiten
19,99 € (Hardcover)








Henry ist ein Hochstapler. Er ist als erfolgreicher Autor im ganzen Land berühmt, ohne je eine Zeile geschrieben zu haben. Er führt eine glückliche Ehe, betrügt seine Frau jedoch mit seiner Lektorin. Man könnte sagen, er hat mehr Glück als Verstand. Bis das schöne Wolkenschloss ins Wanken gerät, als seine Geliebte von ihm Schwanger wird und verlangt, dass Henry seine Frau verlässt.

Irgendwie ist die Situation in „Die Wahrheit und andere Lügen“ ganz klassisch und könnte sich fast zu einem typischen „Tatort“-Fall für den Sonntagabend entwickeln. In diesem Buch läuft aber alles ein bisschen anders. Das Buch ist ein Krimi und doch wieder nicht. Es gibt eine gewisse Spannung, es gibt einige brenzlige Situationen und (natürlich!) einen Mord. Aber da hören die typischen Krimieigenschaften auch schon auf. Die Spannung ist nämlich weniger drängend und düster, als eher durch die absurde Situation getrieben. Man muss einfach wissen, wie sich das alles entwickelt. Und der Mord? Der ist auch alles andere als kaltblütig und lang geplant.

Weglegen mag man das Buch trotzdem nicht, denn es bietet eine Menge Witz und toll gestaltete Charaktere. Der Humor des Buches ist sowohl ganz offen in der lebhaften Sprache und den witzigen Gedanken von Henry zu spüren, speist sich aber auch aus den einfach genial konstruierten Situationen im Buch. Das wirkt alles zu komisch um wahr zu sein, ist aber so authentisch beschrieben, dass es richtig wirkt.
Das ganze wird toll unterstrichen durch die Charaktere. Alle sind sie irgendwie eigen und haben Seele. Besonders der Hauptprotagonist Henry Hayden ist so ein skurriler Vogel, dass man ihm im Verlauf des Buches beinahe alles verzeiht. Natürlich ist er ein Hochstapler und Drückeberger, er scheut Konflikte und ist auf seine Bequemlichkeit bemüht. Das müsste eigentlich so richtig unsympathisch sein, aber Henry wurden auch so viele nette, liebenswerte Eigenschaften angedichtet, dass ich mit diesem Antihelden mitgefiebert habe.
Der Schreibstil ist flott und kurzweilig aber detailliert genug um die Atmosphäre der Szenen zu transportieren. Das mag damit zusammenhängen, dass der Autor bisher Drehbücher verfasst hat und ein Gespür für abwechslungsreiche und fesselnde Szenen (und Szenenfolgen) haben muss.

„Die Wahrheit und andere Lügen“ ist überraschend und interessant. Kein klassischer Krimi und trotzdem mit einem eigenen Sog, keine klassische Komödie, aber mit einem großen Schuss Humor. 
5 von 5 Leseratten für ein witziges Leseerlebnis.


Das Buch in einem Tweet: Henry Hayden ist ein Hochstapler, Mörder, Betrüger und Angeber. Und doch! Man beginnt den Protagonisten zu mögen, fibert und leidet mit ihm.

Samstag, 2. August 2014

Rezension: Das Gedankenexperiment von Jonas Winner

Gestern gabs das LeseExperiment für den August, heute ein Buch, dass sich mit Experimenten anderer Art beschäftigt. Ein echter Spontankauf, der sich überraschend zu einem wahren Pageturner entpuppt hat. Eigentlich wollte ich damals ganz gezielt ein Buch kaufen und schnell wieder aus dem Buchladen raus (Büchernarrengelächter aus dem Off) als mich "Das Gedankenexperiment" so neckisch von der Seite anlachte. Da ich so herzlos nicht sein konnte, habe ich es gekauft. Und was soll ich sagen? Manchmal sind spontane Entscheidungen einfach die Besten! Ein Aufruf zu weiteren LeseExperimenten ;-).

„Das Gedankenexperiment“ von Jonas Winner
400 Seiten
19,99 € (Hardcover)









Der junge Philosoph Karl Borchert hat lange Zeit auf eine eigene Experimentenreihe hingearbeitet und möchte dafür ein Stipendium an seiner Uni erhalten. Obwohl das Experiment als vielversprechend gehandelt wurde, scheitert sein Stipendienantrag und Karl muss sich einer neuen Tätigkeit widmen. Da wird ihm angeboten den Vorlass (Nachlass vor dem Ableben) des berühmten Professor Leonard Habich zu ordnen. Da sich Karl davon auch für seine philosophische Karriere neue Anreize erhofft, sagt er zu und reist auf das Anwesen des Professors. Dort begegnen ihm allerdings nicht nur wissenschaftliche Arbeiten, sondern auch seltsame Erscheinungen.

„Das Gedankenexperiment“ ist ein philosophischer Krimi, der eine spannende Handlung mit einer Menge wissenschaftlicher und philosophischer Themen verknüpft und dadurch eine ganz besondere Sogwirkung entfaltet. Diese Mischung aus spannender Handlung und philosophischen bzw. wissenschaftlichen Einschüben hat mich an Klassiker wie Mary Shelleys „Frankenstein“ erinnert und mir deshalb besonders gut gefallen. Manche der beschriebenen Theorien sind schon weit verbreitet (z.B. „das Ziegenproblem“), andere Abschnitte waren (zumindest mir) neu und gehen etwas tiefer als die allgemein gebräuchliche Westentaschenpsychologie. Durch diese Tiefe wirkte das Buch sehr überzeugend und besonders authentisch.
Neben der offenkundig guten Recherche, die hinter diesem Buch steckt, hat mich die Entwicklung der Charaktere besonders überzeugt. Fast drängt sich auf, dass die Beschäftigung mit dieser Thematik zu einem gewissen Wahn führen muss, denn sowohl Karl Borchert als auch der Professor verlieren sich zunehmend in ihren Theorien. Beide kämpfen mehr und mehr mit Wahnvorstellungen, hervorgerufen durch das stringente fortdenken des Gedankenexperiments. Die durchgehende Entwicklung der Protagonisten trägt hauptsächlich zur Spannung des Buches bei.
Auf dem Anwesen des Professors begegnet Karl Borchert auch einigen unerklärlichen Erscheinungen, das Buch erhält dadurch einige Spannung, wenn nicht gar Horror. Für meinen Geschmack waren diese Effekte für das Vorantreiben der Handlung nicht wirklich nötig und haben mich eher gestört. Nicht schön war außerdem, dass neben den ganzen gut recherchierten Theorien und "Gedankenexperimenten" einige Thesen so krude und verrückt konstruiert wirken, dass die Glaubwürdigkeit manchmal ein bisschen leidet. Diese kleinen Kritikpunkte lassen sich aber neben der durchgehend spannenden Handlung, dem angenehm detaillierten Schreibstil und den interessanten Charakteren gut verschmerzen.
Für mich war das Buch eine tolle Abwechslung, Krimi und Thriller können mich im Moment nur wenig begeistern, auf Spannung hatte ich trotzdem unbändige Lust. Dafür ist „Das Gedankenexperiment“ toll geeignet. Ich vergebe 4 von 5 Leseratten für einen sehr guten philosophischen Krimi, der mich toll unterhalten hat.


Das Buch in einem Tweet: "Das Gedankenexperiment" ist ein philsophischer Krimi der Spannung bietet und unterhält. Nicht immer ganz realistisch aber immer fesselnd.